: Jugendfreizeitheime länger offen
■ Innensenator Heckelmann und Jugendsenator Krüger wollen der Jugendgewalt zu Leibe rücken/ Einrichtung einer unabhängigen Kommission und Verstärkung der mobilen Sozialarbeit angekündigt
Berlin. Der Berliner Senat wird eine unabhängige Kommission zur Untersuchung und Bekämpfung der Jugendgewalt einrichten. Das kündigte gestern Innensenator Dieter Heckelmann (CDU-nah) im Innenausschuß des Abgeordnetenhauses an. Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) erklärte vor dem Ausschuß, daß die Jugendverwaltung mit dem verstärkten Einsatz »mobiler Sozialarbeit« auf die Zunahme der Jugendgewalt — vor allem im Ostteil der Stadt — reagieren wolle.
Der Jugendsenator wies zum wiederholten Mal darauf hin, daß die Zahl der Gewalttaten von Jugendlichen in Gesamt-Berlin drastisch in die Höhe geschnellt sei. Besonders der Ostteil der Stadt, so Krüger, mache ihm Sorge. Hier wartete der Jugendsenator erstmals mit Zahlen auf: Eine Auswertung der Zeit zwischen Oktober 1990 und März 1991 habe ergeben, daß pro Monat rund 400 Jugendliche in Ost-Berlin straffällig geworden seien. Als Gründe nannte Krüger Verunsicherung, Arbeitslosigkeit und Orientierungslosigkeit der Heranwachsenden. Auch das »Nichtreflektieren in den Familien« trage zu einer Verschärfung bei. Daß sich so viele Jugendliche in rechtsradikalen Gruppierungen organisierten, führte der Jugendsenator auf das repressive DDR-System zurück und auf die verstärkten Aktivitäten rechtsradikaler Führer in den fünf neuen Bundesländern. Ein weiterer Grund sei das Identitätsvakuum der Jugendlichen. In Gesprächen mit ihnen habe er erfahren, daß sich die Jugendlichen insbesondere in den Schulen und Freizeitheimen gegenseitig zu Straftaten motivierten.
Das Konzept, das Krüger gestern im Innenausschuß vorstellte, sieht u.a. eine »Aufstockung« des Streetworker-Programms vor sowie eine Verstärkung des Angebots freier Träger und eine Verlängerung der Öffnungszeiten in den Jugendfreizeitheimen. Künftig sollen die Freizeitheime auch an Wochenenden geöffnet sein. Für das Maßnahmenpaket hat die Jugendverwaltung im Nachtragshaushalt rund zwölf Millionen Mark beantragt.
Die von Innensenator Heckelmann angekündigte Kommission zur Untersuchung und Bekämpfung der Jugendgewalt mutete dagegen eher wie ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Verwaltungsangestellte an. Die mit Vertretern der Jugend- Frauen-, Justiz-, Schul-, Sport- und Innenverwaltung besetzte Kommission soll laut Heckelmann bis 1993 ein »Endgutachten« erarbeiten, in dem auch die Untersuchung der Bundesregierung zur Jugendgewalt berücksichtigt werden soll. Zur »fachlichen und methodischen Beratung« würden Wissenschaftler herangezogen, erläuterte der ehemalige Hochschulpräsident sein akademisches Konzept. Die Zwischenergebnisse der Kommission, so Heckelmann weiter, »müssen in den Handlungsalltag einfließen«. plu
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