Jürgen Wayand übers Stimmenzählen

„Die angemessenere Variante“

Wahlamtsleiter Jürgen Wayand erklärt, warum die Auswertung der Stimmhefte in Bremen länger dauert als in Hamburg – obwohl das Wahlrecht dort komplexer ist.

Was in Hamburg nur zwei Tage dauert, braucht in Bremen eine Woche: das Auszählen der Stimmhefte. Bild: dpa

taz: Herr Wayand, haben Sie mittlerweile alle benötigten 3.000 WahlhelferInnen zusammen?

Jürgen Wayand: Nein, das haben wir noch nicht. Wir sind deshalb auch noch einmal mit einem Appell an den öffentlichen Dienst herangetreten …

Wie viele fehlen denn noch?

Insgesamt noch rund 500.

Das klingt aber nach vielen …?

Das sind auch viele, allerdings bin ich ganz zuversichtlich: Das Rundschreiben haben wir erst kurz vor den Ferien abgeschickt, sodass die LehrerInnen es noch gar nicht haben zur Kenntnis nehmen und darauf reagieren können. Außerdem kommen aus dem Bereich der Schulen ja noch die SchülerInnen dazu. Die Bildungssenatorin hat die OberstufenschülerInnen ausdrücklich dazu aufgerufen, sich als WahlhelferInnen zu melden.

und die freuen sich dann über schulfrei?

Nein, es geht nur noch um HelferInnen für den Sonntag selbst, für den Ablauf in den Wahllokalen, den Abgleich mit den Wählerverzeichnissen und die Ausgabe der Stimmzettelhefte. Die müssen sie also gar nicht auswerten. Für die Auszählwoche haben wir schon alle zusammen.

61, Diplom-Ökonom, ist seit 2008 Bremer Landeswahlleiter. Freiwillige WahlhelferInnen können sich unter wahlen.bremen.de informieren und auch online registrieren lassen.

Eine ganze Woche! Warum dauert das hier so viel länger als in Hamburg? Da gilt doch das gleiche Wahlrecht wie bei uns, nur noch einen Tick komplizierter?

Das stimmt, durch die Wahlkreise und die Direktmandate ist es dort noch etwas komplexer. Tatsächlich haben die in Hamburg aber auch noch bis Dienstag gezählt, wenn ich mich recht erinnere.

Aber das ist doch immer noch eine deutliche Differenz zu einer Woche?

Das ist richtig. Wir haben hier andere logistische Voraussetzungen: Zum einen haben wir ein viel kleineres Wahlamt hier in Bremen, mit ganzen zwei Festangestellten für die Wahlaufgaben. Andererseits ist in Hamburg sehr viel über die Bezirke abgewickelt worden. Es gab dort eine ganze Reihe von Auszählungszentren.

Und hier nicht?

Wir haben hier nur das eine mit ungefähr 500 Plätzen, auf denen sich die HelferInnen ja immer wieder abwechseln müssen, damit die Konzentration gewahrt bleibt. Und selbst das zu haben, ist ja eine Art Glücksfall: So ein Zählzentrum muss ja bestimmte Voraussetzungen erfüllen, es muss sicher sein, aber auch technisch geeignet. Für uns ist eine Auszählwoche einfach die angemessenere Variante. Das passt am besten zu unseren Verhältnissen.

Werden die AuszählerInnen denn geschult?

Aber selbstverständlich. Die bekommen sogar eine vergleichsweise intensive Schulung: Die Auszählung läuft ja PC-gestützt, deshalb müssen sie lernen, mit dem entsprechen Programm umzugehen. Sie werden natürlich auch trainiert, nach dem Sechs-Augen-Prinzip zu arbeiten, das heißt, einer sagt an, einer gibt ein und einer überprüft.

Vor vier Jahren hatte die lange Auszähldauer noch für Unmut in der Politik gesorgt – diesmal stört’s anscheinend keinen?

Das war auch wirklich nur ganz am Anfang gewesen, weil man sich erst daran gewöhnen musste, nicht am Wahltag selbst bereits ein vorläufiges Ergebnis zu haben. Wir werden aber wie gewohnt während der Auszählung Hochrechnungen vorlegen. Die brachten bei der Wahl vor vier Jahren eine sehr gute Annäherung an das Echtergebnis.

Allerdings dürften die Personenstimmen diesmal noch mehr ins Gewicht fallen als vor vier Jahren?

Das würde ich so nicht prognostizieren. Für die Auszählung spielt das aber ohnehin keine Rolle, da ist Stimme gleich Stimme, und auch für das Ergebnis nicht, also für die Zahl der Mandate. Spannung ergibt sich da nur für die einzelnen KandidatInnen, also ob jemand seinen Platz sicher hat, ob jemand vom Randbereich der Liste ins Parlament einzieht, oder eben nicht, und wen er verdrängt. Da könnte sich etwas bewegen.

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