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Jenni Zylka Unterwegs mit dem fliegenden Teppich

Da Flugshaming sich als ineffektiv erwiesen hat, gehe ich lieber mit gutem Beispiel voraus und nutze bei meinen Reisen fast nur noch den fliegenden Teppich. Ich frage mich schon lange, wie diese energie-, platz- und geldsparende Methode der Fortbewegung derartig ins Hintertreffen geraten konnte – eventuell hängt das mit dem dauerhaften Interieur-Trend „Parkett“ zusammen: Die Menschen haben angesichts knarzender Holzdielen einfach vergessen, dass es Teppiche gibt, wie gemütlich und fußwarm sie sind und wie viel weniger man beim Barfuß-Darüberlaufen die Krümel spürt.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das Fliegen auf einem solchen Teppich sogar noch gemütlicher ist: Es gibt ausschließlich Fensterplätze, man darf sich lang hinlegen und rauchen, bei Bedarf sogar Wasserpfeife. Bestimmt verlangen einige Teppichfluggesellschaften von ihren Passagieren, beim Betreten des Flugzeugs die Schuhe auszuziehen – das erwarte ich aber nicht mal von meinen Gästen zu Hause.

Das Reinigen des Teppichs zwischen Landung und dem nächsten Start dauert außerdem gar nicht lange, und wem der Vorwerk-Kobold zu viel Strom verbraucht oder das Kabel nicht bis aufs Rollfeld geht, der kann einen dieser kabellosen Teppichkehrer nehmen, es gibt sie in Orange und Retro-Türkis. Selbstverständlich kann man seinen Flugteppich nach Gebrauch auch einfach klassisch über eine der auf dem Rollfeld dafür noch aufzustellenden Stangen werfen und ausklopfen, man darf dabei nur nicht auf den Anlasser kommen.

Wenn man seine Teppichflugregeln streng nach den Maßstäben der „1.001 Nacht“-Geschichte von König Salomo und seiner Messingstadt ausrichtet, dürften übrigens auch reißende Tiere, Raubvögel, Dschinns und Teufel mitreisen, ich bin aber ein bisschen dagegen, weil mich die Idee der Wildkatzenpisse in den feinen Schurwollfasern nicht wirklich überzeugt.

Es besteht überdies eine gewisse Abhängigkeit vom Wetter, andererseits starten herkömmliche Passagiermaschinen bei starken Unwettern ebenso wenig. Mit in hoher Frequenz eingesetzten Linienteppichen ließen sich zudem wieder problemlos Inlandsflüge verwirklichen, und wenn die Passagiere nicht allzu laut singen, kommt man um Petitionen gegen Fluglärm herum.

Und welch hübsche Durchsagen auf dem Teppichflug zu hören wären: „Meine Damen und Herren, im Namen von Kapitänin Zylka und ihrer Crew begrüßen wir sie an Bord dieses Hamedan-Perserteppichs auf unserem Flug nach London. Bitte nehmen Sie Ihren Platz ein, kuscheln Sie sich an Ihr Handgepäck und halten Sie Ihre Mobiltelefone gut fest, damit sie nicht herunterfallen. Vielen Dank.“

Ich befürchte übrigens, dass nach erfolgreicher Einführung des Teppichflugs schnell so einige Billigteppichfluggesellschaften auf den Markt drängen werden. Aber ich möchte dringend von deren Nutzung abraten. Das Fortbewegen mit Teppichfliesen birgt in der Luft ein zu hohes Sicherheitsrisiko.

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