Japan-Ticker vom 23.3.2011: Wachsende Angst vor Strahlung

Japan begrenzt Gemüse-Ausfuhr aus der Region Fukushima. 40 Kilometer vom Unfall-AKW wurde im Boden extrem hohe Radioaktivität gemessen. Erste Partikel bald in Europa.

Erste Fotos aus dem Inneren des AKWs. Zwei Ingenieure sammeln Daten aus den Kontrollräumen von Reaktor 1 und 2. Weitere Fotos in der Bildergalerie. Bild: dapd

Eine aktuelle Zusammenfassung der Lage in Japan und am AKW Fukushima I finden Sie hier.

23:30 Uhr: Kanada verstärkt Lebensmittel-Kontrollen

Die kanadische Lebensmittelüberwachung hat umfangreichere Kontrollen der Importe aus japan angekündigt. Milchprodukte, Früchte und Gemüse aus der näheren Umgebung der havarierten Atomanlage sollen künftig nicht mehr eingeführt werden, wenn sie nicht auf ihre Unbedenklichkeit hin überprüft wurden und dies schriftlich festgehalten wurde, teilte die Behörde mit. Mit der Entscheidung folgt Kanada anderen Staaten wie den USA, die bereits zuvor angekündigt hatten, Importe von Molkereiprodukten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Gebiet um das havarierte Atomkraftwerk zu stoppen.

23:24 Uhr: Tokio verteilt Wasserflaschen für Kleinkinder

Die Stadtverwaltung von Tokio hat angekündigt, abgefülltes Wasser für Familien mit Babys bereitzustellen. Die lokalen Behörden seien aufgefordert, an diesem Donnerstag rund 80.000 Haushalte mit 3,5 Liter-Flaschen zu versorgen, berichtet NHK. Zudem rief die Stadtverwaltung Mineralwasser-Hersteller dazu auf, ihre Produktion hochzufahren.

Was wären die Entfernungen von Fukushima übertragen auf Deutschland? Liegt mein Wohnort womöglich in einer Evakuierungszone von 30 Kilometern. Eine interaktive Karte mit den AKWs gibt die Antwort.

Die Behörden ziehen damit die Konsequenz aus Messergebnissen in einer Wasseraufbereitungsanlage, wo erhöhte Werte an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden waren. Die Behörden ordneten an, dass Babys in 23 Stadtteilen Tokios sowie in fünf weiteren Städten kein Leitungswasser mehr trinken dürfen.

23:18 Uhr: Zahl der Toten steigt auf 9.500

Die Zahl der Toten ist auf 9.523 gestiegen. Nach Polizeiangaben werden weiterhin etwa 16.000 Menschen vermisst.

23:11 Uhr: Kein Leitungswasser für Kleinkinder

Tokios Kleinkinder sollen kein Leitungswasser mehr trinken, Babynahrung soll nur noch mit Flaschenwasser zubereitet werden. Das sagte der Regierungschef der Hauptstadtregion, Shintaro Ishihara, nachdem im Trinkwasser erhöhte Werte radioaktiven Jods gemessen wurden.

22:48 Uhr: Teuerste Naturkatastrophe der Geschichte

Das Erdbeben und der Tsunami im Nordosten Japans dürften die bisher teuerste Naturkatastrophe gewesen sein. Nach Schätzungen der japanischen Regierung könnten sich die Kosten auf 16 bis 25 Billionen Yen (138,9 Milliarden bis 217 Milliarden Euro) belaufen. Damit lägen die Kosten noch deutlich über den 125 Milliarden Dollar, die der Hurrikan "Katrina" 2005 in New Orleans und Umgebung verursacht hat.

21:59 Uhr: Geigerzähler Mangelware

In Deutschland werden die Geigerzähler knapp. In Elektronikfachhandeln sind sie ausverkauft, die Nachfrage explodiert. Conrad beispielsweise kann erst am 6. Juni die Geräte wieder liefern. Sie kosten zwischen 300 und 3.000 Euro. Strahlenschutzexperten halten solche Messgeräte für Privatleute allerdings für wenig hilfreich. Wenn der Laie nichts über die überall vorhandene Hintergrundstrahlung wisse, könne er nicht unterscheiden, ob der gemessene Wert auf diese natürliche Radioaktivität oder auf künstliche Strahlung zurückzuführen sei, sagt eine Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

21:23 Uhr: Großspenden durch Prominente

Die Sängerin Gwen Stefani hat eine Million Dollar (rund 707.000 Euro) für die Erdbeben- Opfer in Japan gespendet. Das Geld soll einer Kinderhilfsorganisation zufließen, berichtete der Internetdienst "Usmagazine.com". Die Sängerin der Band No Doubt teilte mit, dass sie die Menschen in Japan und die Kultur des Landes sehr schätze. "Die Katastrophe in Japan ist mehr als herzzerreißend und ich möchte alles tun, um zu helfen." Erst kürzlich hatte Sandra Bullock eine Million Dollar gespendet.

20:50 Uhr: Erste Partikel bald in Europa

Strahlenschutz-Experten rechnen fest mit dem Eintreffen radioaktiver Partikel in Deutschland im Laufe der nächsten Tage, geben aber gleichzeitig Entwarnung. Die Messwerte dürften weit unterhalb der gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen bleiben, betonte das Bundesumweltministerium am Mittwoch. "Insbesondere kann eine radioaktive Belastung von Lebensmitteln mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden." Von "extrem niedrigen Werten nahe der Nachweisgrenze" sprach der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch. Er misst die Aktivitätskonzentrationen in der Luft an 50 Messstationen.

20:26 Uhr: Keine Gefahr durch verseuchte Lebensmittel

Japan ist ein klassisches Importland, das so gut wie keine Lebensmittel ausführt. Laut Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) werden generell nur sehr wenige Nahrungsmittel von dort nach Deutschland geliefert. Angesichts der aktuellen Notlage nach dem Erdbeben und dem Tsunami sei darüber hinaus jeglicher Handel vollkommen zusammengebrochen. Zudem haben die japanischen Behörden Verkaufsverbote für strahlenbelastete Produkte verhängt.

20:18 Uhr: Keine erhöhte Radioaktvität in Deutschland

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, rechnet nicht mit einer Gefahr für die deutsche Bevölkerung durch radioaktive Partikel aus Japan. König sagte der Braunschweiger Zeitung, wegen der weiten Entfernung und der hohen Verdünnung würden in Deutschland vermutlich nur Spuren von Radioaktivität gemessen. "Sie liegen weit unterhalb einer Bedeutung für die Gesundheit."

19.30 Uhr: Union verliert in der Wählergunst

Nach der Atom-Kehrtwende müssen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die von ihr geführte Union vor dem wichtigen Wahlsonntag deutliche Einbußen in Umfragen verkraften. CDU/CSU verlieren im Wahltrend von Stern und RTL im Vergleich zur Vorwoche bundesweit 3 Punkte auf 33 Prozent. Die Grünen legen zu. Meinungsforscher sagen, dass fast drei Viertel (71 Prozent) der Befragten das von Merkel nach der Katastrophe in Japan angeordnete dreimonatige Abschalten der sieben ältesten deutschen Atommeiler für reine Wahltaktik halten.

18.20 Uhr: ExxonMobil öffnet Terminal Nord-Japan

Fortschritte im Katastrophengebiet von Japan: Der weltgrößte Energiekonzern ExxonMobil hat einen Ölumschlagplatz in der von Beben und Tsunami betroffenen Region Tohoku wieder geöffnet. Das erste Tankschiff habe am Dienstag am Shiogama Terminal angelegt, teilte ExxonMobil mit. An Bord seien eine Million Liter Benzin und eine Million Liter Kerosin gewesen, das als Heizöl verwendet werden könne.

Auch Schiffe der Konkurrenz dürfen hier ihre für die Menschen so überlebenswichtige Fracht abladen. "Wir arbeiten als Branche geschlossen daran, so schnell wie möglich jede Art von Brennstoff in die Krisengebiete zu schaffen", sagte der örtliche Raffineriechef Philippe Ducom. In der Region hatte es nach der Naturkatastrophe auch noch geschneit.

17.55 Uhr: Hamburg klagt gegen Laufzeitverlängerungen

Der Stadtstaat Hamburg wird sich an der Verfassungsklage gegen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke beteiligen. Außerdem habe die Hansestadt bereits vergangene Woche einen Antrag auf Rücknahme der Laufzeitverlängerungen im Bundesrat mit eingebracht, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). "Das Zeitalter der Atomtechnologie ist schon seit längerem vorbei."

17.00 Uhr: Suzuki muss Produktion erneut aussetzen

Nach nicht einmal zwei vollen Produktionstagen schließt der Autobauer Suzuki die meisten seiner Fabriken in Japan wieder, meldet das Branchenblatt Automotive News. Es sei für den Konzern schwierig, die nötigen Teile herbeizuschaffen. Einige der Zulieferer sitzen nach Angaben des Unternehmens in den Regionen, die von Beben und Tsunami besonders schwer getroffen wurden.

Laut Automotive News hatte Suzuki seine Produktionsbänder in seinen Endmontagewerken am Dienstag und Mittwoch den halben Tag laufen lassen. Mindestens bis Sonntag bleiben die Fabriken nun geschlossen. Allerdings produziert ein Motorenwerk den Angaben zufolge so lange weiter wie der Lagervorrat ausreicht.

16.35 Uhr: Südamerikaner verlassen Japan

Wegen der atomaren Bedrohung in Japan sind jetzt insgesamt 163 Kolumbianer, Chilenen und Peruaner in die Heimat geflogen worden. Die Menschen trafen am Mittwoch an Bord einer Maschine der kolumbianischen Luftwaffe von Tokio aus in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá ein. Sie wurden sofort ärztlich auf eventuelle Verstrahlungen untersucht, teilten die Behörden des südamerikanischen Landes mit.

15.55 Uhr: Toyota muss Modellstart verschieben

Die Katastrophe in Japan belastet den Autobauer Toyota: Weil die meisten Fabriken weiterhin stillstehen, verzögert sich der Verkaufsstart des neuen Prius-Hybridvans im Heimatland. Der Termin Ende April sei nicht mehr zu halten, berichtet das Branchenblatt Automotive News. Demnach habe eine Firmensprecherin nicht einmal sagen können, wann der Wagen überhaupt eingeführt werden soll.Seit dem 14. März stehen die Toyota-Fabriken in Japan still.

15.45 Uhr: AKW-Betreiber plant Tsunami-Schutzwall

Nach der Fukushima-Katastrophe plant der Betreiber eines Kernkraftwerks an der Küste südlich von Tokio offenbar, einen zwölf Meter hohen Tsunami-Schutzwall zu bauen. Zudem werde der Bau eines sechsten Reaktors in der Anlage Hamaoka um ein Jahr verschoben, um die Sicherheitspläne zu überprüfen, teilte Japans drittgrößter Energiekonzern Chubu Electric Power mit. Der neue Reaktor solle aber wie geplant im März 2024 in Betrieb genommen werden. Der Konzern hielt zudem an seinem erst kürzlich angekündigten Vorhaben fest, bis zum Jahr 2030 ein zweites Atomkraftwerk zu bauen.

Die Gegend um Hamaoka wird Geologen zufolge etwa alle 100 bis 150 Jahre zufolge von Erbeben der Stufe acht oder darüber heimgesucht. Das letzte Erbeben dieser Stärke liege bereits länger als 150 Jahre zurück, erklärte der Chubu Electric Power. Studien hätten ergeben, dass ein Erdbeben in der Gegend maximal Flutwellen von acht Metern Höhe auslöse.

14.30 Uhr: Strengere Kontrollen für Importe aus Japan

Die deutschen Behörden haben nach eigenen Angaben ein engmaschiges Kontrollnetz gespannt, um radioaktiv belastete Importgüter abzufangen. Am Frankfurter Flughafen etwa werden nach Angaben des hessischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums alle Lebensmittelsendungen aus Japan auf Radioaktivität untersucht. Auch die Behörden der anderen Bundesländer sind beauftragt, die Lage sehr aufmerksam zu kontrollieren. Der deutsche Zoll prüft alle sonstigen aus Japan eintreffenden Waren an den Grenzen stichprobenartig auf Radioaktivität.

14.00 Uhr: Günstige Winde für Tokio

Der Wind in der japanischen Unglücksregion um Fukushima dreht günstig: Nordwestwinde tragen mögliche radioaktive Stoffe derzeit auf den Pazifik hinaus, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Bis zum Wochenende sei überwiegend mit Westwind zu rechnen. Am Freitag drehe ein schwacher Wind kurzzeitig auf südliche Richtung. Danach soll er wieder aus Westen und somit die Schadstoffe vom Festland weg auf den Pazifik wehen.

Zum Wochenende zieht ein Tief über Japan nach Nordost und bringt leichten Frost. Teilweise können Regen und Schnee fallen. Die Temperaturen um Fukushima schwanken dann um den Gefrierpunkt.

13.35 Uhr: Milliardenkredite für AKW-Betreiber?

Japans führende Banken erwägen offenbar, dem Betreiber des Unglücks-Atomkraftwerks Fukushima mit Notkrediten von bis zu 2 Billionen Yen (etwa 17,4 Milliarden Euro) unter die Arme zu greifen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, soll das kurzfristig gewährte Geld der Betreibergesellschaft Tepco helfen, die Folgen des verheerenden Erdbebens vom 11. März zu bewältigen. Neben der Rettungsaktion an den beschädigten Reaktoren muss das Unternehmen auch kostspielige Engpässe bei der Stromversorgung schultern.

Als voraussichtliche Geldgeber nannte Kyodo die Institute Sumitomo Mitsui mit einem Betrag von 600 Milliarden Yen, Mizuho (500 Milliarden Yen) und die Bank of Tokyo-Mitsubishi (300 Milliarden Yen). Darüber hinaus stünden weitere Banken für Kredite bereit. Die japanische Regierung prüft nach Informationen von Kyodo, ob auch die Entwicklungsbank des Landes Kredite gewähren könne. Die Mittel könnten aus einem Programm stammen, das auch Darlehen für den Katastrophenfall vorsehe. Für dieses habe die Regierung 3,3 Billionen Yen (29 Milliarden Euro) für das Steuerjahr 2010 bereitgestellt und erwäge, die Mittel für 2011 aufzustocken.

13.20 Uhr: Keine erhöhte Radioaktivität in Deutschland

In der Atmosphäre über Deutschland sind bis zum Mittwochmittag keine radioaktiven Partikel aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima nachweisbar gewesen. Das teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter mit. Die Behörde untersucht die Luft über Deutschland laufend mit einem sehr genauen Messnetz auf Strahlenbelastungen. Nach Angaben des BfS sei aufgrund der großen Entfernung zu Japan ohnehin nur mit äußerst geringen Spuren zu rechnen, von denen keine Gesundheitsgefahr ausgeht.

13.10 Uhr: Lange Stromausfälle in Tokio erwartet

Die Menschen in Tokio und Umgebung müssen noch lange mit Stromausfällen rechnen. Der Energiekonzern Tepco plane noch mindestens ein Jahr lang Stromsparmaßnahmen, berichtet die Zeitung Asahi Shimbun auf ihrer Internetseite. Der Strom solle den ganzen Sommer und den folgenden Winter über weiter zeitweise in verschiedenen Gegenden abgestellt werden.

Neben dem Atomkraftwerk Fukushima Eins habe der Tsunami vom 11. März auch zwei große Wärmekraftanlagen in Fukushima und Ibaraki beschädigt. Die beiden Kraftwerke produzieren laut Tepco zusammen so viel Strom wie die havarierte Atomanlage. Ein Mitarbeiter der Firma sagte der Zeitung, es sei noch nicht klar, wann sie wieder ans Netz gehen könnten.

13.00 Uhr: Zahl der Toten steigt weiter

Die Zahl der Toten und Vermissten in den japanischen Erdbeben- und Tsunami-Gebieten steigt weiter an. Rettungsmannschaften können nur noch Leichen bergen. Neuen Polizeiangaben zufolge wurden durch die Katastrophe offiziell 9408 Menschen getötet. Allerdings gelten weiterhin 14.716 Menschen als vermisst. Hoffnung, dass sie die Katastrophen überlebten, gibt es kaum.

12.00 Uhr: Extrem hohe Strahlung im Boden gemessen

Nach einem Bericht des staatlichen Senders NHK wurde i40 Kilometer nordwestlich vom Atomkraftwerk Fukushima im Boden eine 1600-fach erhöhte Konzentration eines radioaktiven Stoffes festgestellt. Ein Experte der Universität Gakusin soll demnach nahe dem Dorf Iitate 163.000 Becquerel an Cäsium-137 pro Kilo Erde gemessen haben.

Zum Vergleich: Der nach Tschernobyl am stärksten betroffene Landkreis Bayerns, Augsburg/Stadt, wurde durch radioaktives Cäsium mit knapp 54.000 Becquerel pro Quadratmeter belastet. Der jetzt gemessene Wert aus Iitate mit über 160.000 Becquerel Cäsium pro Kilogramm wäre weit höher.

Die Halbwertszeit dieses Stoffes beträgt etwa 30 Jahre, er belastet die Umwelt also auf Generationen.

11.30 Uhr: Ausfuhrstopp für verstrahltes Gemüse

Japans Regierung hat die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus zwei Präfekturen im Umkreis des AKW Fukushima untersagt. Ministerpräsident Naoto Kan ordnete einen Lieferstopp für Brokkoli und das japanische Gemüse Komatsuna aus der Region Fukushima sowie für Rohmilch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki an, wie die Nachrichtenagentur Jiji mitteilte.

Die USA kündigten in der Nacht zum Mittwoch strenge Importvorschriften für Lebensmittel aus Japan an. Die US-Lebensmittelbehörde erklärte in einer Mitteilung, sowohl Milch und Milchprodukte als auch Gemüse und Obst aus den Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma dürften nur noch nach vorherigen Radioaktivitätsmessungen eingeführt werden.

Frankreich rief die EU-Kommission zu "systematischen Kontrollen aller frischen Lebensmittel" auf, die Europa aus Japan erreichten.

11.20 Uhr: Neues Erdbeben nahe Fukushima

In der Nähe des schwerbeschädigten Atomkraftwerks Fukushima hat es am Mittwoch ein Erdbeben gegeben. Die Stärke des Erdstoßes gaben die japanischen Behörden vorläufig mit 4,7 an. Das Epizentrum habe zehn Kilometer unter dem Meeresspiegel gelegen. Ein erneuter Tsunami drohe nicht, hieß es in einem Fernsehbericht. Angaben zu möglichen Schäden lagen zunächst nicht vor.

11.05 Uhr: Keine neue Kühlaktion für Reaktor 3

Die Feuerwehr soll den Reaktor 3 am Mittwoch doch nicht mehr von außen mit Wasser kühlen. Die Aktion sei abgeblasen worden, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Zuvor war die gesamte Atomanlage aus Sicherheitsgründen geräumt worden. Der neue Feuerwehreinsatz sollte eigentlich am Mittwochnachmittag starten und zwei Stunden dauern. Außerdem sollte eine Kühlpumpe für den Block 3 getestet werden.

10.40 Uhr: Abgeordnete fordern weitere Evakuierungen

Im japanischen Parlament wird die Forderung nach weiteren Evakuierungen um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima laut. In einer Petitition plädieren mittlerweile zwölf Abgeordnete dafür, auch außerhalb des bislang gezogenen 20-Kilometer-Radius die Evakuierung "drastisch voranzutreiben". Vorrangig sollten schwangere Frauen und Kleinkinder aus einem Umkreis von 30 Kilometern herausgeholt werden.

Die Parlamentarier Ober- und Unterhaus des japanischen Parlaments kritisierten die Entscheidung der Regierung, die Evakuierungszone bislang auf 20 Kilometer um das AKW zu begrenzen. Die Beschädigungen an den Reaktoren seien "schwerwiegend". Besonders im Block 3 sei zu befürchten, dass das Containment die radioaktive Strahlung nicht mehr aufhalten könne. Wörtlich heißt es in dem Dokument: "Wenn das passieren würde, käme es zu einer 100-fach erhöhten Freisetzung von radioaktivem Jod, was besonders für Babies und Kleinkinder gefährlich ist."

10.20 Uhr: Rauch über Reaktor 3 lässt nach

Der schwarze Rauch über dem Reaktor 3 lässt offenbar wieder nach. Das habe die Betreiberfirma Tepco mitgeteilt, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Alle Arbeiter an den Reaktoren 1 bis 4 mussten sich demnach vorübergehend in Sicherheit bringen. Die Intensität der radioaktiven Strahlung habe sich im Bereich um das Haupttor der Anlage jedoch nicht verändert, seit der Rauch aufgestiegen sei.

9.50 Uhr: Strahlung reicht weiter als gedacht

Auch außerhalb der Sicherheitszone um das Atom-Wrack in Fukushima ist nach Angaben der Regierung stark erhöhte radioaktive Strahlung aufgetreten. An manchen Orten, die weiter als 30 Kilometer von dem Kraftwerk entfernt seien, habe die Strahlung zeitweise womöglich bei mehr als 100 Millisievert pro Stunde gelegen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr.

Es bestehe allerdings kein Grund, die Evakuierungszone von 20 Kilometern um das Kraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Besorgte Anwohner sollten die Fenster geschlossen halten. Die Strahlung ändere sich ständig mit dem Wind. Es sei sehr schwer, genau zu messen, wie sich die Radioaktivität vom havarierten Kraftwerk ausbreite.

9.00 Uhr: Reaktor 3 evakuiert

Das Gebäude von Reaktor 3 musste nach Angaben des Betreibers Tepco geräumt werden, weil dort wieder Rauch aufgestiegen war. Es sei unklar, ob der Rauch von der Turbine oder aus der Schutzhülle des Reaktorkerns stamme, sagte ein Tepco-Sprecher. Die Mitarbeiter des dortigen Kontrollraums seien in Sicherheit gebracht worden. In den Brennelementen des durch eine Explosion bereits beschädigten Reaktors befindet sich auch hochgefährliches Plutonium.

8.00 Uhr: Schwarzer Rauch über Reaktor 3

Erneut ist von Reaktor 3 am havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins schwarzer Rauch aufgestiegen. Der Fernsehsender NHK zeigte Bilder von dunklen Schwaden über dem Reaktor. Der Rauch habe sich am Mittwochnachmittag (Ortszeit) entwickelt, hieß es.

Es sei unklar, ob der Rauch von der Turbine oder aus der Schutzhülle des Reaktorkerns stamme, sagte ein Tepco-Sprecher. Die Mitarbeiter des dortigen Kontrollraums seien in Sicherheit gebracht worden.

Quellen: dpa, afp, dapd, rtr, Kyodo1

Was zuvor geschah, lesen Sie im Live-Ticker vom Dienstag.

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