Inselkrimi auf Amrum: Am Ende pfeift der Austernfischer

Mit "Mörder auf Amrum" gelingt Markus Imboden ein Film, der friesische Weiten mit subtilem Humor und sandiger Action paart (Montag, 20.15 Uhr, ZDF).

Wenn Bestatter (links) und Bulle (rechts) gemeinsame Sache machen, gibts hinterher was zum Tragen. Bild: zdf/hermann ebling

Die Fähre fährt, die Möwe möwt. Und im "Strandkieker" direkt am Wasser in Norddorf, wo sich in der Saison die Amrumurlauber zuschütten und der im wahren Leben Strand 33 heißt, bechert jetzt die kleine, feine Inselrunde. Posthalterin Karla, die immer bestens informiert ist, Inselpolizist Heinz, dem ein gestohlener Hund Sorgen bereitet, und Bestatter Jörg.

Weil der Film "Mörder auf Amrum" heißt, wissen alle außer ihm, dass er in den nächsten Tagen das Geschäft seines Lebens machen wird. Aber zunächst mal will die Rückkehr von Helge (Hinnerk Schönemann), der Nummer zwei der Inselpolizei, begossen sein. Der war nämlich in Berlin ("Wie isses denn da?" - "Laut.") und ist froh, zurück auf der Insel zu sein.

Denn hier werden wirkliche Probleme mit friesischem Pragmatismus gelöst, wie der kleine alkoholisierte Dialog zwischen Polizist und Bestatter hübsch zeigt: "Du willst doch jetzt nicht mehr fahren" - "Wieso? Du kannst mich doch auch nicht mehr kontrollieren." - "Stimmt." Und dann wird den Wirtschaftsweg zwischen den Inseldörfern langgebrettert, als es ob es auf der Insel nicht auch eine passable Landstraße gäbe, auf der man klasse Fasane überfahren kann.

Das ist ziemlich lakonisch und wahrscheinlich wirklich irgendwie friesisch. Dem ganzen Film gelingt es, seinen ganzen Rhythmus auf Kaltblut herunterzuschalten - für übertrieben hektische Handlungen und wilde Verfolgungsjagden wäre auf der doch höchst übersichtlichen Insel auch schnell kein Platz mehr.

Dafür wurde dem Eiland eine Story verordnet, die nur so kracht: Das BKA versteckt hier eine wichtige Zeugin, die gegen russische Großkriminelle ausgesagt hat. Leider nicht gut genug: Die Killer kamen mit der "Uthlande", die BKA-Beamtin verendet gekonnt im Sand, ihr Kollege ist dummerweise schon tot. Und damit es mit der Unterstützung vom Festland nichts wird, schickt der Wettergott natürlich eine derart steife Brise, dass der Fährbetrieb umgehend eingestellt wird. Weder Hubschrauber noch die Küstenwache können den Gesetzeshütern auf dem Eiland zu Hilfe eilen.

Doch die Herren aus Russland verstehen keinen Spaß und haben für derlei Verzögerungen schon gar keinen Sinn. Also muss irgendwann auch Posthalterin Karla (Barbara Rudnik in einer ihrer letzten Rollen) dran glauben, von Helge betrauert mit der derben Zartheit der Insulaner: "Lass es mich mal so sagen: Wir haben unser Briefgeheimnis wieder."

Das changiert zwar nicht immer gekonnt zwischen Persiflage und ernst gemeintem Krimi. Doch der Film von Regisseur Markus Imboden wird dabei der Insel, die sonst auch gerne mal als Sylt oder sonst irgendein Eiland herhalten muss und in den letzten Jahren eher für "Zimmermädchen"-Schmonzetten bekannt wurde, erstaunlich gerecht.

"Mit Marcus Imboden hätte ich auch jeden anderen Film gemacht, da habe ich völlig blind zugesagt", sagt Hinnerk Schönemann. "Wir ergänzen uns gut in unserer Spielfreude, lassen uns instinktiv leiten und improvisieren gern. Wir überraschen uns immer gegenseitig."

Passt die Figur des Helge, dem Berlin zu groß und hektisch ist, also auch auf den Mecklenburger Schönemann? "Helge will seine Ruhe, aber nicht in dem Sinne, dass er im Sessel sitzt und Bücher liest, sondern dass alles in geregelten, berechenbaren Bahnen verläuft und nicht so aufregend ist." Doch zu viel Parallele tut auch nicht gut, sagt Schönemann, der schon bei seiner ersten TV-Hauptrolle "Mörderische Erpressung" mit Imboden zusammenarbeitete: "Von der Mentalität her gibt es schon Parallelen zu Mecklenburg, wo ich wohne, die Landschaft allerdings ist ganz anders. Nur weil ich auch ein Nordlicht bin, habe ich mich da noch lange nicht gefühlt wie zu Hause."

Zumal der fast komplett auf der Insel gedrehte Film nicht allen InsulanerInnen Spaß machte: "Einigen Meckerköppen auf Amrum passte es nicht, dass wir auf ihrer Insel gedreht, sie für Wochen so in Beschlag genommen haben."

Und am Ende gleicht sich trotz der vielen Leichen zumindest die Zahl der InselbewohnerInnen wieder mehr als aus. Darauf ein Stück Friesentorte - was stören schon die paar toten Zugereisten.

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