: In Nordirland sind die Unionisten die Verlierer
■ Sinn Féin, der politische Arm der IRA, hat nun zwei Sitze im britischen Unterhaus
Dublin (taz) – Wer mit Hunden ins Bett gehe, stehe mit Flöhen auf, sagte William McCrea nach den Wahlen in Nordirland. Der Unionist hatte gerade seinen Sitz an den Sinn-Féin-Vize Martin McGuinness verloren. „Aber ich versichere euch“, fügte er hinzu, „daß die unionistische Sache nicht von ein paar Strolchen besiegt wird.“
Die „Strolche“ von Sinn Féin, dem politischen Flügel der IRA, sind einer der Gewinner der britischen Wahlen: Sie haben jetzt zwei Sitze im Unterhaus. Parteipräsident Gerry Adams holte sich das Mandat, das er 1992 verloren hatte, von der sozialdemokratischen SDLP mit Riesenvorsprung zurück, die Wahl seines Stellvertreters McGuinness kam überraschend als Bonus hinzu.
Drei Faktoren spielten dabei eine Rolle: In den vergangenen zwei Jahren war es in der in McGuinness' Wahlkreis gelegenen Ortschaft Drumcree zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, als Protestanten die gesamte Provinz gewaltsam zum Stillstand brachten, um ihre Parade am 12. Juli durch katholische Wohnviertel durchzusetzen. Beide Male knüppelte ihnen die Polizei die Straße frei. Hinzu kommt, daß McCrea, der für die extreme Democratic Unionist Party von Pfarrer Ian Paisley kandidierte, letztes Jahr im Vorfeld der Parade gemeinsam mit dem protestantischen Terroristen Billie Wright aufgetreten ist. Und nicht zuletzt gab der katholisch-nationalistische Teil der Bevölkerung den Tories die Schuld am Zusammenbruch des Friedensprozesses.
Was nun aus diesem Prozeß wird, muß sich in den nächsten Wochen erweisen. Die nächste Runde der Mehrparteiengespräche beginnt in einem Monat. Ob Sinn Féin daran teilnehmen darf, hängt von einem IRA-Waffenstillstand ab. Die neue Nordirland-Ministerin Mo Mowlam sagte am Wochenende, zwei Monate müßten verstreichen, in denen die IRA „durch Worte und Taten“ ihren guten Willen beweise, bevor Sinn Féin zum Runden Tisch zugelassen werde. Mit „Taten“ ist gemeint, was die IRA nicht tun darf: Neben Anschlägen müssen auch Bestrafungsaktionen gegen Verräter, Rekrutierungen und Ausbildung von Mitgliedern eingestellt werden. Das käme der Auflösung der IRA sehr nahe. Ob sie angesichts der Wahlerfolge dazu bereit ist, bleibt abzuwarten. Ein Wahlziel hat Sinn Féin jedenfalls verfehlt: Die SDLP hat zwar einen ihrer vier Sitze an Sinn Féin verloren, bleibt aber mit 50 Prozent mehr Stimmen stärkste Kraft auf katholisch-nationalistischer Seite.
Der andere Gewinner der Wahlen war die Ulster Unionist Party (UUP), die einen Sitz hinzugewinnen konnte und nun zehn Abgeordnete stellt. Allerdings ist die Freude nicht ungeteilt: Wenn es nach der UUP gegangen wäre, hätte man Wahlen für immer abschaffen können. Die größte unionistische Partei büßte ihre Rolle als Zünglein an der Waage ein. Einer Labour-Regierung mit solch deutlichem Vorsprung könne man keine Zugeständnisse abpressen, räumte ein unionistischer Wahlhelfer ein. Ralf Sotscheck
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