Immobiliendeals am Berliner Mauerpark: Freier Blick auf die Schiene

Geht die Bebauung am Mauerpark weiter? Ein US-Konzern hat die Brache zwischen Park und Gesundbrunnen gekauft. Der Bezirk will die Freifläche erhalten.

Blick auf eine etwas vermüllte Brachfläche

Die „Pferdebrücke“ genannte Brache in Mitte: eine Goldgrube für Immobilienentwickler? Foto: Christian Thiel

BERLIN taz | Im Bezirksamt Mitte heißt das Grundstück einfach nur „Die Pferdekoppel“. Der Name rührt daher, dass dort lange Zeit jene Pferde an die Tränke geführt wurden, die im Sommer dann die Touristenkutschen über den Gendarmenmarkt zogen. Nun hat die Freifläche ihren Besitzer gewechselt. Käufer ist die US-Immobilienfirma Hines.

Ein Kleinod ist die Fläche zwischen Swinemünder Brücke, Ringbahn und Bärbel-Bohley-Ring nicht gerade, eher eine zugemüllte Brache. Anwohner kennen sie, weil sie am kürzesten Weg vom Mauerpark zum Bahnhof Gesundbrunnen liegt. Seitdem die Groth-Gruppe am nördlichen Mauerpark das Quartier „So Berlin“ mit 700 Wohnungen auf 3,5 Hektar errichtet hat, ist die Brache zwischen dem Groth-Quartier und dem Kaufland am Gesundbrunnen ins Visier von Projektentwicklern geraten. „Aufgrund der positiven Entwicklung des Umfelds und des Stadtteils wird angestrebt, dieses Grundstück perspektivisch einer Entwicklung zuzuführen“, äußerte sich ein Sprecher von Hines im März gegenüber der Berliner Woche.

Der Grundstückskauf hatte zunächst niemanden aufhorchen lassen. Denn eigentlich hatte Hines, so glaubten viele, nur das sogenannte Fachmarktzentrum am Gesundbrunnen gekauft, zu dem auch Kaufland als Ankermieter gehört. Das Zentrum mit mit seinen 13.000 Mietfläche war vor 15 Jahren ein Streitpunkt in der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte gewesen. Das Gesundbrunnen-Center fürchtete Konkurrenz, die Bebauung war eine ästhetische Katastrophe.

Doch um das Zentrum geht es Hines wohl gar nicht. Zu dem Grundstück gehört auch die ein Hektar große Brache östlich der Swinemünder Brücke. „Das wird der eigentlich Grund für den Besitzerwechsel gewesen sein“, mutmaßt der Pankower Linken-Abgeordnete Michail Nelken. Er setzt sich dafür ein, dass die Brache nicht bebaut wird. Sie soll stattdessen zur „grünen Brücke“ zwischen Mauerpark und Humboldthain werden.

Kurskorrektur im Bezirk

Droht am Mauerpark also neuer Streit? Gerade erst ist der neue Parkabschnitt eröffnet worden. Damit ist die Fläche der Parkanlage zwischen Bernauer und Gleimstraße von 8 auf 15 Hektar gewachsen. Im Gegenzug für die Erweiterungsflächen auf einem ehemaligen Bahngelände bekam die Groth-Gruppe das Recht, ihr neues Wohnquartier nördlich der Gleimstraße zu errichten. Der ursprüngliche Plan, das gesamte Bahnareal in den Mauerpark einzubeziehen und einen durchgängigen Grünzug zum Gesundbrunnen zu schaffen, war durch den Kompromiss mit Groth schon 2012 obsolet geworden.

Grüne Brache oder „Entwicklungsfläche“? Infografik: Infotext

Aber auch der Bezirk Mitte war nicht immer auf der Seite des Grüns. Die ehemalige Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) plante etwa eine Bebauung auf der heutigen Erweiterungsfläche des Mauerparks. Für das Grundstück an der Bahntrasse, das nun Hines gekauft hat, sah die Bereichsentwicklungsplanung ebenfalls eine Bebauung vor. Allerdings betonte Dubrau damals, dass die Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer gesichert werden müsse.

Nun aber hat der Bezirk eine Kurskorrektur vorgenommen. „Wir wollen auf der Pferdekoppel überhaupt keine Bebauung“, sagt Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) der taz. Das habe man vor zwei Jahren auch schon dem Voreigentümer mitgeteilt.

Ein Antrag auf einen Bauvorbescheid durch Hines sei im Bezirksamt bislang noch nicht eingegangen. Und wenn, dann werde man ähnlich argumentieren wie mit dem Voreigentümer, sagt Gothe. Eine Grünfläche über einen Bebauungsplan festzusetzen sei an der Stelle allerdings schwierig. „Die Lärmemissionen durch die Bahn sind so groß, dass das Baurecht das wohl nicht hergeben würde“, sagt Gothe. „Aber wir wollen das, falls es dazu kommt, anders regeln.“

Einen möglichen Kompromiss hat Gothe schon im Blick. „Gegen einen Abriss von Kaufland und einen Neubau hätten wir keine Einwände.“ Wichtig aber sei, dass es auch da eine feste Verabredung für die Durchwegung gibt. „Auf dem Kaufland-Grundstück ist das damals nicht so gut gelungen.“

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