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Im richtigen Ostervilm

Wahrheit kauft abseitige kleine Insel in der Ostsee

Es ist einer der trostlosesten Flecken im Erdenrund: Ostervilm. Die künstliche Insel in der Ostsee wurde früher von der DDR-Marine genutzt, um Schiffe gegen Minen zu entmagnetisieren. Am Mittwoch nun zog uns eine dpa-Meldung magnetisch an: „Mini-Insel vor Rügen wird versteigert.“ Am 4. Juni. In Hamburg.

Zwar bestehe die Insel nur aus „Vogelkot und Rost“, wie dpa das wirklich nicht idyllische Eiland verunglimpfte, aber wir lieben öde Orte. Und da die Wahrheit immer auf der Seite der Abseitigen ist, hat sie sich entschlossen, Ostervilm zu erwerben.

Mit Blick auf den dürftigen Wahrheit-Etat können wir allerdings höchstens 100 Euro für unsere Trauminsel bieten. Notfalls müssen eben die treuen Wahrheit-Fans ihre prall gefüllten Geldbeutel öffnen, damit die Wahrheit ein eigenes Ruhedomizil der Extraklasse bekommt.

Da die 1954 auf rund 600 Holzpfählen errichtete Insel von der Außenwelt völlig abgeschottet ist, könnten wir dort endlich wie bei Arno Schmidt eine „Gelehrtenrepublik“ gründen, deren Mitglieder Johann Gottfried Schnabels 2.500 Seiten langen Roman „Insel Felsenburg“ detailliert ergründen. Oder wir widmen uns ungestört wichtigen humorigen Aufgaben und beleben das uralte Genre der Inselwitze wieder.

Denn viel anderes kann man auf dem 250 Quadratmeter großen Meeresflecken nicht unternehmen, als komische Robinsonaden unter Palmen erfinden. Über gestrandete Schiffbrüchige, denen als Höhepunkt des Tages eine Kokosnuss auf den Kopf fällt.

Es sei denn, eine Wunschfee kommt zu Besuch, wie bei dem Iren in unserem Lieblingsinselwitz: „Du hast zwei Wünsche frei“, sagt die Fee dem Iren, der antwortet: „Ich hätte gern eine Dose Guinness, die nie leer wird.“ Plopp – hat er die Dose in der Hand und trinkt und trinkt, bis die Wunschfee schon ganz wuschig ist. „Und dein zweiter Wunsch?“, drängt sie. Der Ire strahlt: „Davon hätte ich gern noch eine Dose.“

Niemand ist eine Insel, aber, ach, Ostervilm, wir haben uns schon jetzt in dich verliebt!

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