: Ikonen und Konkubinen
■ Picasso-Ausstellung mit 63 Frauen-Porträts im BAT-Foyer
mit 63 Frauen-Porträts im BAT-Foyer
Vor zwanzig Jahren, am 8. April 1973, starb Pablo Picasso. Noch bevor im Sommer die Hamburger Kunsthalle Arbeiten des Jahrhundertgenies in der großen Ausstellung Die Zeit nach Guernica präsentiert, ist die Arbeitsweise des Meisters auf exemplarische Weise in einer Zusammenstellung von 63 Porträts im BAT-Kunst-Foyer zu erfahren. Gezeigt werden fast nur einfarbige Lithographien der Jahre 1945-1964 aus Privatbesitz.
Dargestellt sind die Lebensgefährtin Francoise Gilot und Jacqueline, Picassos letzte Frau. Nur schwarz-weiße Blätter von Frauenköpfen en face oder im Profil — was für eine Welt des Ausdrucks! Ikonenhaft erstarrt oder in leichtem Strich aufgelöst, lyrisch überformt oder kubistisch zersprengt, zeichnerisch in ornamentale Zackenlinien aufgelöst und mit den Mustern der Kleidung verbunden, malerisch gepinselt oder in der Art einer Decalcomanie verwischt, auch umgeformt in scheinbar archaische Plastizität: Alle künstlerischen Ausdrucksformen stehen der Hand des Künstlers gleichermaßen zur Verfügung. Zu sehen, in welcher Breite ein so inhaltlich und formal begrenztes Thema immer wieder variiert werden kann, ersetzt in dieser ganz von selbst zu Vergleichen einladenden Ausstellung ein langes Kunststudium.
Werner Hofmann, Ex-Direktor der Kunsthalle, wies anläßlich der Eröffnung auf die zu Lebzeiten einzige Beziehung des großen Spaniers zu Hamburg hin: Es gibt eine Zeichnung nach der Kreuztragung Meister Franckes aus dem Besitz der Hamburger Kunsthalle. Eine Reproduktion des Hamburger Gemäldes muß unter den Arbeiten gewesen sein, auf die ihn sein Händler Kahnweiler hingewiesen hatte, als er Picasso mit der altdeutschen Malerei bekannt machte. Ein Nachhall davon findet sich unter den Blättern der Ausstellung in der
1Darstellung seiner Lebensgefährtin mit renaissancehaftem Blumenschmuck als „Junges Mädchen nach Lucas Cranach“. Hajo Schiff
BAT-Kunstfoyer, Esplanade 39, Mo 10-20, Di-Fr 10-18, Sa 10-14 Uhr, bis 19. 5. Katalog 18 Mark.
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