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Ideen im Kampf gegen Gewalt

■ Neue Anti-Gewalt-Kampagne ist gestern gestartet worden Jugendliche sollen mutiger sein und sich mehr einmischen

Mehr Mut sollen Jugendliche gegen Gewalt aufbringen. Nicht weggucken, sondern hinsehen und handeln. Unter dem Motto „Mut gegen Wut“ hat die Landeskommission „Berlin gegen Gewalt“ gestern eine Anti-Gewalt-Kampagne gestartet. Mit der Kampagne solle ein klarer Akzent zur Kommunikation und zur Diskussion über das Thema Gewalt gesetzt werden, erklärte Klaus Löhe (SPD), Staatssekretär für Jugend und Familie und Leiter der Kommission „Berlin gegen Gewalt“. Gewaltverhinderung und -vorbeugung sei kein Problem für Spezialisten, sondern gehe alle etwas an.

Inhalt der Kampagne ist zum einen ein „Telefon gegen Gewalt“. Hier können Jugendliche mit Gewaltproblemen oder -beobachtungen Rat und die richtigen Ansprechpartner finden. Außerdem soll eine Broschüre über Adressen und Anlaufstellen informieren. Weiter will die bis zum Jahresende dauernde Kampagne durch Plakate, Aufkleber, Anzeigen in Tageszeitungen sowie Stellungnahmen von Prominenten in der Jugendzeitung Bravo zu aktivem Mut gegen Gewalt aufrufen. Außerdem ist in Zusammenarbeit mit dem SFB ein Videowettbewerb zum Thema Gewalt geplant.

In der seit Jahresanfang bestehenden Länderkommission „Berlin gegen Gewalt“ – diese ist einmalig in der Bundesrepublik – arbeiten die Senatsverwaltungen für Jugend und Familie, Arbeit und Frauen, Inneres, Justiz, Schule, Berufsbildung und Sport sowie Soziales zusammen. Das Gremium war aus der 1991 von der Innenverwaltung angeregten „Unabhängigen Kommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt in Berlin“ hervorgegangen. Hier sollen Maßnahmen gegen Gewalt ressortübergreifend entwickelt und koordiniert werden. „Es muß endlich eine Kommission geben, die auch für die Umsetzung guter Ideen im Bereich der Gewaltprävention bei Jugendlichen zuständig ist“, so Klaus Löhe. Anläßlich des Starts der Kampagne „Mut gegen Wut“ erläuterte Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) die augenblickliche Gewaltsituation unter Jugendlichen. Man könne beobachten, daß Jugendgewalt kein Randgruppenphänomen sei, sondern immer häufiger „aus der Mitte der Gesellschafft“ komme. Entgegen pessimistischer Vorhersagen sei es aber nicht zu der befürchteten „Gewaltspirale“ gekommen. Vielmehr könne man „eine leichte Beruhigung“ bei Jugendstraftaten feststellen.

Im ersten Halbjahr 1994 waren monatlich etwa 200 Tatverdächtige unter 21 Jahren registriert worden. Dies sei „eine eher geringe Zahl, gemessen an den fast 750.000 BerlinerInnen in dieser Altersgruppe“. Auch bei fremdenfeindlichen und rechtsextremen Gewalttaten von Jugendlichen sei in diesem Jahr ein Rückgang von rund 25 Prozent verzeichnet worden, erklärte Krüger.

Die augenblickliche Situation sei auch vor dem Hintergrund der bisherigen Präventionsarbeit bei Jugendlichen zu sehen. Es gebe allerdings, so Krüger, keinen Grund zur Entwarnung: „Jugendgewalt ist kein vorübergehendes Problem, das irgendwann abgehakt werden kann“. Die bisherigen Ansätze in der Gewaltprävention müßten auch weiterhin kontinuierlich fortgeführt und ausgebaut werden. Patricia Pantel

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