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INTERVIEW„Die Angst kommt immer am Abend“

■ Joaquim Manuel aus Mosambik, seit 1980 im Osten Deutschlands, über Ausländerfeindlichkeit in der EX-DDR

taz: Herr Manuel, Sie sind 1980 im Rahmen eines Austauschprogramms für junge Menschen zwischen der DDR und Mosambik nach Ost-Berlin gekommen. Wie haben Sie dort gelebt? Gab es auch damals, in der DDR, schon eine ausländerfeindliche Stimmung?

Manuel: Ich habe in einem Wohnheim für ausländische Arbeiter und Lehrlinge gewohnt. Wir hatten alle seperate Eingänge in diesem Block — die Leute aus Schwarzafrika, die Polen, die Vietnamesen. Ich sollte eigentlich eine Lehre machen, aber dann wurde ich als Batteriearbeiter ausgebildet. Ich stellte Batterien für Radios und Taschenlampen her. Das Leben in Berlin war locker. Ich hatte nie Streit mit den Deutschen, nicht am Arbeitsplatz und auch nicht in der Stadt. Offene Ausländerfeindlichkeit gab es nicht. Aber natürlich in Gaststätten, da war dann manchmal alles reserviert, obwohl noch alle Tische frei waren. Manche haben uns „Kohlen“ genannt. Aber ich glaube, das war mehr aus Spaß. Ich jedenfalls habe damit nie Probleme gehabt.

Sie haben dann 1986 bei den Automobilwerken Eisenach (AWE) Arbeit bekommen und sind nach Gotha umgezogen. Waren da die Verhältnisse anders als in der Großstadt?

Es gibt überall solche und solche Menschen. Bei der Arbeit hab' ich nie Schwierigkeiten bekommen. Ich hab' mich bei AWE auch nicht diskriminiert gefühlt. Die Kollegen waren in Ordnung. Aber in Gotha, auf der Straße, da mußte ich schon ab und zu die Ohren zumachen. Schließlich kann man sich ja nicht ununterbrochen aufregen. Und in bestimmte Diskotheken ist man einfach nicht gegangen. Die hatten da offenbar alle Angst davor, daß wir ihnen die Mädels ausspannen würden.

Und nach der Wende? Was hat sich seitdem verändert?

Heute habe ich richtige Angst, alleine auszugehen, vor allem Abends. Die Glatzköpfe ziehen in Gruppen durch die Stadt. Und denen geht man auch am Tag besser aus dem Weg. Früher hat auf der Straße mal jemand „Kohle, hau ab!“ gezischt und ist dann schnell weitergegangen. Heute sagen einige ganz offen „Scheiß Ausländer!“ Und was soll ich dagegen machen. Jetzt gehe ich schnell weiter. Wir gehen morgens immer in einer Gruppe zum Bahnhof und abends in der Gruppe wieder zurück. Ich glaube, das liegt alles an der Arbeitslosigkeit. Die Menschen hier sind alle irgendwie aggressiver geworden. Früher waren alle jedenfalls irgendwie freundlicher.

Und am Arbeitsplatz? Die AWE sind doch „abgewickelt“...

Ja, ich bin auf Kurzarbeit null. Wir warten nur noch ein paar Maschinen. Aber die Kollegen aus meiner Brigade, die sind noch so wie immer. Ich fühle mich da wohl. Aber bald werden in Eisenach alle arbeitslos sein, und ich weiß nicht, was dann ist. Ich glaube, ich habe hier keine Zukunft mehr. Ich werde wohl zurück müssen, nach Mosambik. Aber da hab' ich auch keine Arbeit. Ich weiß nicht, wie das alles weitergehen wird. Interview: K.-P. Klingelschmitt

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