■ Hütte des Volkes: Beim Palast geht es um ein Stückchen DDR
Erika Kaufmann, 68 Jahre, Rentnerin
Den Palast der Republik sollen sie stehenlassen, das war ja das Haus des Volkes. Wir sind hier immer zum Essen gegangen, meine Tochter ging hier ins Bowlingzentrum. Auch wenn wir manchmal eine ganze Stunde auf den Einlaß gewartet haben, haben wir es gerne gemacht, weil man sich hier wohlfühlen konnte. Das bittere ist: Alles, was von DDR-Geld gemacht worden ist, das muß jetzt weg.
Thomas Lemke, 26 Jahre, Jurastudent
Daß jetzt der Palast der Republik weg soll, ist Scheiße. Man kann Geschichte nicht bewältigen, indem man irgendwas zerstört. Hier wurde schon mal ein Schloß abgerissen. Das war genauso eine Geschichtsbewältigung, wie sie jetzt passiert. Da ist irgendwo System drin. Aber den kleinen Bürger fragt sowieso keiner, wenn sie ihre Burgen jetzt mitten ins Zentrum hinbauen wollen.
Heinz Graffunder, 66 J., Chefarchitekt des Palastes
Die Abrißentscheidung finde ich ungeheuerlich. Ich bin empört. Als Architekt des Hauses habe ich klare Vorschläge, wie der Palast weiterverwandt und sein Image dem Zeitgeist angepaßt werden kann. Die Pläne sind erarbeitet in Verantwortung dessen, was wir vor zwanzig Jahren mit Hunderten von Projektanten, Architekten, Ingenieuren und Tausenden von Bauarbeitern hier absolviert haben.
Sabine P., 35 Jahre, Sekretärin
Beim Palast der Republik geht es um ein Stückchen DDR. Vom Abriß halte ich nicht viel. Der wird doch genauso teuer wie die Sanierung. – Statt des einen modernen Baus kommt jetzt wieder ein moderner Bau hin. Die sehen alle gleich aus, alle genauso furchtbar. Wenn man natürlich das Außenministerium stilmäßig dem Dom anpaßt, dann kann das Ding weg. Ansonsten soll es stehenbleiben.
Jörg Zander, 29 Jahre, Architekt
Es ist so ziemlich die bescheuertste Idee, die sie sich seit langem haben einfallen lassen. Jedermann weiß, daß, wenn hier etwas Neues gebaut wird, es mindestens dreimal teurer wird. Die Kosten für den Abriß kommen auch noch dazu, alles zusammen absolut rausgeschmissenes Geld. Aber wegen des Stadtlebens habe ich keine Befürchtungen: Wir werden es uns hier weiterhin so lustig machen wie bisher.
Robin Weiss, 32 Jahre, Kundenberater
Es ist gut, daß der Palast der Republik abgerissen werden soll. Asbestsanieren? What's the point! Das Schloß soll wieder hin. Es sollte ein Museum für deutsche Geschichte sein. Das ist dann für weitere Generationen etwas wert. Mich erinnert der Palast zu sehr an den Staat, der hier stand. Es genügt doch, das alte Staatsratsgebäude zu belassen – das mit der Fassade vom ursprünglichen Schloß.
Umfrage: Nikolas Müller-P.
Fotos: Jan-Eric Ouwerkerk
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