: Hör-Funken: Schalke 05
(„Auf Schalke! Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“, Sonnabend, WDR 3; 17 bis 17.30 Uhr) Über den Namen des Vereins haben schon Fernsehmoderatorinnen die Fassung und ihren Job verloren, wenn sie mit der Version 'Schalke 05‘ Sakrilege an einer Legende begingen, was dieser Verein normalerweise selbst schon am besten besorgt: einfach indem er Gelsenkirchener Religionsersatz spielt, Mannschaftsaufstellungen zur Staatsangelegenheit macht, beim Abstieg aus der Bundesliga lokale Volkstrauertagsstimmung erzeugt, bei Vereinsversammlungen Tribunale mit Saalschlachtatmospähre inszeniert, wo ein Wunder ist, daß die Köpfe unfähiger Manager oder Trainer nicht fallen, um auf Spießen den Blicken des Vereinsvolks zur Schau gestellt zu werden; und so im Stadion, wenn der Ball im Netz des Gegners zappelt, Gelsenkirchner Karneval ausbricht, der jede kulturelle Verklärung der dortigen Tristesse überflüssig macht. Dribbelkünstler, die wie Ernst Kuzorra oder Reinhard Libuda früher in der Glückaufkampfbahn den Slalom auf flachem Land erfanden und libidinöses Stöhnen bei balliebenden Rängestehern auslösten, sind Helden bis ins hohe Alter, wenn sie aus Tabakläden oder vom Biertresen, wo die Helden ihren Lebensabend verbringen, geheimnisvolle Weisheiten auf die fußballgierige Nachwelt bringen. Schalke 04 ist immer noch keine Kapitalgesellschaft für Körpersportverwertung, sondern eines der wenigen Dinge, die der Gelsenkirchner Knappenmensch lieben kann.
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