Herzzentrum gibt Gelder der Tabaklobby zurück: Kein Herz für Raucher

Das Deutsche Herzzentrum Berlin bereut die Annahme von Geldern der Zigarettenindustrie. Und will einen Ethikkodex.

Rauchen ist schädlich. Nicht nur für die Tabakindustrie Bild: AP

Darf die Tabakindustrie öffentliche Forschung über Herzerkrankungen finanzieren? Nein, sagt nun das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB). Damit revidiert die Klinik ihre bisherige Haltung. Denn wegen der Verwendung von Forschungsgeldern einer Stiftung des Zigarettenherstellers Philip Morris war das Herzzentrum jüngst unter massive Kritik geraten.

Eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte im September den Stein ins Rollen gebracht: Zwischen 2003 und 2005 habe das DHZB 937.000 Euro von der Philip-Morris-Stiftung erhalten, hatte der Senat auf die Anfrage der Grünen-Abgeordneten Lisa Paus und Heidi Kosche mitgeteilt. Der kardiologische Direktor des DHZB, Eckart Fleck, hatte dies zunächst mit der Begründung verteidigt, die private Förderung wissenschaftlicher Projekte sei "in Ländern wie den USA eine bewährte Selbstverständlichkeit" und es habe sich bei dem von Philip Morris geförderten Projekt nicht um "Gefälligkeitsforschung" gehandelt. Mit den Geldern der Stiftung hatte das DHZB eine Untersuchung zur Früherkennung von Arteriosklerose mit besonderen Methoden durchgeführt.

Statt "wissenschafts- und forschungsfeindliche Aktionen zu starten", hieß es in Flecks schriftlicher Erklärung vom 25. September, solle man "besser mit etwas Stolz zur Kenntnis nehmen", dass dieses internationale Forschungsprojekt an eine deutsche Einrichtung vergeben worden sei. Überdies, so Fleck weiter, kämen "die Ergebnisse kardiologischer Forschung letztlich Patientinnen und Patienten zugute".

Die aktuelle Stellungnahme des DHZB klingt deutlich kleinlauter: Im Internet nun aufgetauchte Unterlagen, darunter Gesprächsprotokolle der Tabakindustrie, hätten ergeben, dass die Forschungsgelder nicht, "wie den Antragstellern suggeriert wurde", von einer unabhängigen Stiftung, sondern direkt von Philip Morris gekommen seien. Sie zeigten zudem, dass das Tabakunternehmen "an einer kommerziellen Nutzung der Ergebnisse" interessiert gewesen sei.

Vor dem Hintergrund dieser "neuen Erkenntnisse über die Ziele der Projektförderung sehen wir die Annahme der Philip-Morris-Gelder als Fehler an", heißt es in der DHZB-Erklärung. Und weiter: "Um vergleichbare Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, wird sich das Deutsche Herzzentrum für einen ethischen Kodex zur Ablehnung von Drittmitteln der Tabakindustrie einsetzen."

Das fordert Johannes Spatz vom "Forum Rauchfrei" schon lange. Das Forum, vor acht Jahren von ihm und einem Arzt des Deutschen Herzzentrums gegründet, setzt sich gegen jegliches Sponsoring durch die Tabakindustrie ein. Er freue sich über "die klaren Worte und den klaren Beschluss" des DZHB, sagte Spatz der taz. "Ich hoffe, dass sich dem andere Institutionen anschließen werden." Denn es werde "ein ganzes Netz von Forschern" von Philip Morris finanziert: "Dahinter steckt keine Nächstenliebe, sondern eine Strategie, um das eigene schlechte Image aufzubessern."

Das Einlenken des DHZB sei "eine große Freude", findet auch Lisa Paus, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion: Sie hofft, dass nun auch "andere Gesundheitseinrichtungen der Stadt sich zu einem solchen Schritt durchringen können".

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