Hertha BSC holt einen Punkt in Hannover: Einsatzwillen und Glück

Hertha BSC holt bei Hannover 96 das zweite Unentschieden im dritten Saisonspiel.

Herthas-Spieler Lasogga lässt sich nach seinem Tor von den mitgereisten Fans feiern Bild: dpa

Seine Hände, die er fast das gesamte Spiel über in den Hosentaschen vergraben hatte, griffen nach allem Verfügbaren in der Nähe. Markus Babbel, der als Trainer von Hertha BSC Berlin gestern Abend keinen leichten Arbeitstag zu bewältigen hatte, schrie seine Freude über ein nicht für mehr möglich gehaltenes Tor hinaus. Pierre-Michel Lasogga, von Babbel in der Partie bei Hannover 96 erst in der Schlussphase eingewechselt, gelang in der 83. Minute ein sehenswerter Treffer. Die Berliner sind in der neuen Saison der Fußball-Bundesliga zwar immer noch sieglos, bleiben durch das 1:1 (0:1) bei Hannover 96 aber auswärts ungeschlagen. Entsprechend feierte das Team gestern Abend ausgelassen - besonders, weil es zwischenzeitlich schon wie der Verlierer aussah.

Es gab vor allem einen im Team der Berliner, der die Heimreise ein wenig unglücklich angetreten haben dürfte: Thomas Kraft, der 23 Jahre alte Torhüter der Hertha, ist auf den Bundesliga-Standort Hannover nicht besonders gut zu sprechen. Am 25. Spieltag der vergangenen Saison, als er im Trikot des FC Bayern München noch als dessen Hoffnungsträger galt, musste er sich nach einem unglücklichen Auftritt mit dem Rekordmeister mit 1:3 geschlagen geben. Der damalige Ausrutscher von Hannover besiegelte sein Standing als Nummer eins der Bayern, kurz darauf folgte der Wechsel nach Berlin.

Auch dieses Mal hatte Kraft in Hannover wenig zu lachen. Als der Portugiese Sergio Pinto zu einem Distanzschuss aus fast 30 Metern ansetzte, bewegte sich der Torhüter in der 33. Minute zwar in die richtige Torecke, den Gegentreffer konnte er aber damit nicht verhindern. Herthas Mittelfeldspieler Raffael war zuvor aus der Mauer gelaufen und hatte Schuss gemacht für Pintos Schuss.

Was die Hertha zu bieten hatte, war in der zweiten Halbzeit phasenweise schön anzusehen. Die oft gut kombinierten Sturmläufe endeten jedoch meist vor dem 16-Meter-Raum der Hannoveraner, die nach ihrem Europacup-Sieg gegen den FC Sevilla am Donnerstag von der riesigen Euphorie getragen wurden.

96-Manager Jörg Schmadtke hatte seine Mannschaft drei Tage nach dem umjubelten 2:1-Heimsieg in der Europa League vor einem komplizierten Spiel gewarnt. Es war offensichtlich, dass dem einen oder anderen hannoverschen Profi die Beine mit jeder Minute immer schwerer wurden. Vor allem im Mittelfeld waren die Berliner nach dem Seitenwechsel ein ebenbürtiger und leidenschaftlich kämpfender Rivale. Nur in der Offensive fehlten den Hertha-Profis die Mittel, um eine der derzeit erfolgreichsten Mannschaften im deutschen Profifußball dauerhaft in Verlegenheit zu bringen.

Auf der Suche nach einem Spieler, der sich mit Händen und Füßen gegen eine Niederlage stemmte, wurden die rund 3.000 mitgereisten Berliner Fans in der Innenverteidigung der Hertha fündig. Der gewohnt raubeinig agierende Maik Franz brauchte nur wenige Aktionen, um die Anhänger des Gegners in Rage zu bringen. Schon nach zehn Spielminuten mussten die Berliner Betreuer dem Mann für die hartnäckigen Zweikämpfe ein neues Trikot reichen. Franz hatte sich bei einem Zusammenprall im Gesicht verletzt und blutend an der Außenlinie behandelt werden müssen.

Kurz vor Schluss hatte Hertha Glück, als der Schiedsrichter einen Freistoßtreffer von Hannovers Christian Pander nicht anerkannte. Herthas Torwart Kraft hatte bei der Aktion keine glückliche Figur abgegeben. Der Grund für die Entscheidung von Schiedsrichter Hartmann blieb unklar, eine Abseitsposition lag bei Panders Schuss nicht vor.

Mit dem 1:1 holte Hertha den zweiten Punkt im dritten Saisonspiel und liegt nun auf Platz 13 der Tabelle.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Seit 40 Jahren erscheint ein Regionalteil der taz in dieser großen, ja großartigen Stadt. Das Jubiläum wird würdigst begangen.

 

• Vier taz Talks laden vom 28.10.-06.11. zu Debatte und Streit über Berlin, seine Probleme und Chancen ein. Mit dabei sind u.A. Monika Herrmann, Klaus Lederer und Antje Kapek

 

• Eine (bundesweite) Sonderausgabe der taz wirft am 07.11. auf 12 Seiten in der gedruckten taz und der App einen umfassenden Blick auf die Entwicklung der Stadt seit 1980. Dem Ressort eng verbundene Autor*innen schauen auf diese vier Dekaden zurück, schildern in großen Essays, was wirklich wichtig war in jener Zeit und was davon bleibt. Außerdem sprachen wir mit jenen zwei Politikern, die zusammen 28 Jahre die Regierenden Bürgermeister Berlins waren: Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de