: Herrschaftlich auf dem Schloßberg
Tübingen (taz) - „Dreistöckiges Wohnhaus, unterkellert, Dachboden, frisch renoviert, Hanglage mit herrlichem Blick auf die Tübinger Altstadt, riesiger Garten mit kleinem Wald in bester Wohngegend“ - so etwa könnte die Anzeige für ein luxuriöses Tübinger Wohnhaus aussehen, das seit über zwei Jahren leersteht.
Diesem Mißstand halfen Wohnungssuchende aus der Universitätsstadt am Dienstag kurzerhand ab - rund 200 Besetzer probten das hochherrschaftliche Wohnen auf dem Tübinger Schloßberg. Die ortsansässige Firma Capital Consulting hatte aus der Villa in bestem Zustand zwar die Fenster in den oberen Geschossen herausgeschlagen und die Strom- und Wasseranschlüsse gekappt, aber sonst ist alles in bestem Zustand.
Trotzdem existiert eine Abrißgenehmigung. Die Capital Consulting will ein kombiniertes Wohn- und Bürogebäude errichten. Die Pläne der Besetzer sahen eine Bleibe für acht Wohnungslose und ein Infocafe vor. Aber nach einem Strafantrag der Spekulanten und ersten Anzeichen einer bevorstehenden Räumung zogen die Palastbewohner gestern am frühen Morgen ab. Am Vormittag begannen dann die Abbrucharbeiten.
Joachim Zepelin
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen