piwik no script img

Berliner SzenenHello Submarine

Gehirnverstauchung

Er stellt sich auf die Fensterbank und trillert in die Straße

Mein Freund Rainer hat mir eine Schiedsrichterpfeife geschenkt, weil ich jetzt F-Jugend-Trainer von den Berliner Amateuren bin. Keine gute Idee, denn Fup entdeckt sie mit dem sicheren Gespür eines Trüffelschweins inmitten des Chaos, das auf meinem Schreibtisch herrscht. Er stellt sich auf die Fensterbank des geöffneten Fensters und trillert in die von Touristen bevölkerte Straße hinaus, die das bestimmt sehr pittoresk finden. Ich nicht. Profischiedsrichterpfeife ist nicht ohne. Also nehme ich sie ihm weg.

So ganz ohne Profischiedsrichterpfeife wird ihm das Leben zu Hause langweilig. Er geht auf den Spielplatz und ich atme auf. Als er wieder zurückkommt, verzieht er kläglich sein Gesicht. „Ich hab’ne Gehirnerschütterung“, sagt er und erzählt, dass er von der Schaukel gefallen sei. Es sieht trotzdem nicht so aus, als ob er eine Gehirnerschütterung hat. „Du hast keine Gehirnerschütterung“, sage ich, um ihn zu beruhigen. „Meinst du das ironisch?“, fragt Fup. „Nein“, sage ich. „Na ja, dann ist er vielleicht verstaucht.“ – „Nein, den Kopf kann man sich nicht verstauchen“, sage ich. „Hast du denn eine Beule?“ – „Ja“, jammert er. „Wo?“ – „Da oben.“ Er deutet mit der Hand drauf. Ich taste seinen Kopf ab. Fehlanzeige.

„Dann hab ich mir eben die Hand verstaucht“, sagt Fup und macht es mimisch vor, wie er sich die Hand verstaucht hat. Somit ist das Thema erledigt und Fup singt „Hello submarine“, bzw. wiederholt er die beiden Wörter in einem nicht besonders melodischen Singsang. Dann sagt er offenbar rhetorisch: „Du weißt schon, was das bedeutet, oder?“ „Naja, submarine heißt Unterseeboot und Hello heißt Hallo, aber irgendetwas stimmt da nicht.“ – „Aber du kannst doch Englisch, oder?“, sagt Fup. „Ja, schon“, sage ich und dann fällt mir ein, dass es „Yellow“ und nicht „Hello“ heißt. Ich liebe unsere absurden Dialoge. Klaus Bittermann

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen