Hausbrand in Ludwigshafen: Ermittler stochern im Schutt

Technischer Defekt oder Brandstiftung - die Ursache für den Ludwigshafener Brand bleibt weiter unklar. Ein rechtsextremes Bekennerschreiben entpuppt sich als unecht.

Auch Videoanalysen des Brandes brachten noch keinen Durchbruch. Bild: rtr

LUDWIGSHAFEN taz Auch elf Tage nach der Feuerkatastrophe von Ludwigshafen, die neun Menschen das Leben kostete, ist die Brandursache weiter unklar. Das konstatierten am Donnerstag Polizei und Staatsanwaltschaft in Ludwigshafen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Die knapp 90 eingesetzten Ermittler aus Landes- und Bundeskriminalamt, Feuerwehr und Ludwigshafener Polizei sowie die vier Brandspezialisten aus der Türkei gingen inzwischen 135 Spuren und Hinweisen aus der Bevölkerung nach, sagte der Leiter der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig. Zurzeit würden 6 Tonnen Brandschutt aus dem Keller des weiter einsturzgefährdeten vierstöckigen Gebäudes akribisch durchsucht. "Wir stecken noch mitten in den Ermittlungen", sagte Liebig.

Erneut forderten die Behörden die Bevölkerung auf, eventuell vorhandene Privatfotos oder -filme vom Brandtag zur Verfügung zu stellen.

Inzwischen wird davon ausgegangen, dass der Brand im Keller ausbrach. Bislang ist dort von den Einsatzkräften allerdings nichts gefunden worden, was auf Brandstiftung schließen lässt. Auch die auf die Suche nach Brandbeschleunigern abgerichteten Spürhunde hätten "nicht angeschlagen", hieß es vonseiten der Polizei.

Nachgegangen sind die Ermittler inzwischen auch einem Hinweis auf einen Mann, der sich kurz vor dem Ausbruch des Feuers aus dem Haus geschlichen und sich dann in einer nahe gelegenen Tankstelle versteckt haben soll. Nach Zeugenbefragungen und der Auswertung der Überwachungskameras an der Tankstelle habe sich dieser Verdacht allerdings nicht erhärtet, so ein Polizeisprecher.

Auch sei die Befragung der beiden Mädchen aus dem Gebäude, die gesehen haben wollen, wie ein Fremder im Treppenhaus brennendes Papier unter einen Kinderwagen geworfen habe, noch nicht abgeschlossen. Eigentlich hoffte die Polizei, endlich ein auf den Aussagen der Mädchen basierendes Phantombild vorlegen zu können. Die Sache gestalte sich aber schwierig. Es werde deshalb "weiter in alle Richtungen ermittelt", so die Staatsanwaltschaft. Noch seien nicht alle Zeugen vernommen worden. Auch mögliche technische Defekte aufgrund veralteter Leitungen in dem Gebäude seien nicht auszuschließen.

Zu den in der Nachbarschaft der Brandruine kursierenden Gerüchten, wonach es in einer der im Keller deponierten Mülltonnen gebrannt haben könnte, wollten sich die Ermittler bislang nicht äußern. Staatsanwalt Liebig wollte auf Nachfrage auch weder eine fahrlässige Brandstiftung noch einen Anschlag mit rechtsextremistischem Hintergrund ausschließen. In einem Bekennerschreiben an den Mannheimer Morgen hatte sich eine Gruppe "Deutscher Widerstand" damit gebrüstet, das "Türkenhaus in Brand gesteckt" zu haben. Das Schreiben stamme aber "eindeutig von einem Trittbrettfahrer", sagte Liebig. Die Szene werde aber weiter durchforstet, so ein Polizeisprecher.

Der Bürgermeister der türkischen Stadt Gaziantep, wo am Mittwoch die toten Frauen und Mädchen aus Ludwigshafen bestattet worden waren, hat sich für eine Städtepartnerschaft mit Ludwigshafen ausgesprochen. Er will noch an diesem Wochenende nach Ludwigshafen reisen.

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