Handys von Spitzel „Corelli“: Kein Hinweis auf NSU-Verbindungen

Jerzy Montag hat noch einmal Handys und SIM-Karten des Ex-V-Manns „Corelli“ auf NSU-Kontakte untersucht. Fündig wurde er nicht.

Ein Mann, Jerzy Montag

Hat keine neuen Erkenntnisse im Fall „Corelli“: Jerzy Montag Foto: dpa

BERLIN dpa | In der Affäre um den ehemaligen V-Mann „Corelli“ hat die Auswertung aufgetauchter Handys und SIM-Karten nach einem Medienbericht keine Verbindungen zur rechtsextremen Terrorgruppe NSU ergeben.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag für das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages durchgeführt hat, wie rbb-Inforadio berichtet.

Das Bundeskriminalamt wertete demnach insgesamt 22 Mobiltelefone und zahlreiche SIM-Karten und andere Speichermedien aus, die der 2014 gestorbene Spitzel „Corelli“ oder sein V-Mann-Führer beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) verwendet hatten.

Dabei hätten sich „keine neuen Bezüge und Erkenntnisse zum NSU-Komplex“ ergeben, schreibt Montag nach rbb-Angaben in dem als „geheim“ eingestuften Bericht. In seinem Bericht kritisiert Montag unter anderem, dass es beim Bundesamt für Verfassungsschutz keinerlei Bestimmungen gegeben habe, wie mit ausrangierten Handys oder SIM-Karten von V-Leuten zu verfahren sei.

Ein Jahr nachdem Montag seinen ersten Untersuchungsbericht zum Fall „Corelli“ vorgelegt hatte, waren beim BfV ein großer Panzerschrank voller Handys, SIM-Karten und anderer Materialien „Corellis“ aufgetaucht. Trotz aller Untersuchungen rund um den NSU-Terror waren die Dinge vielfach noch nicht ausgewertet worden. Angesichts jahrelangen Behördenversagens gegenüber dem NSU-Terror sorgte das für Empörung.

Montag kritisiert, dass es beim Verfassungsschutz keine Bestimmungen gegeben habe, wie mit Handys oder SIM-Karten von V-Leuten zu verfahren sei.

„Corelli“ alias Thomas R. war fast 20 Jahre lang eine der Top-Quellen des Bundesamts für Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene, bis er 2012 enttarnt wurde. Nur anderthalb Jahre später starb er in einem Zeugenschutzprogramm überraschend im Alter von 39 Jahren. Die Todesumstände werden zur Zeit erneut untersucht.

Der Sachverständige, der ursprünglich als Todesursache eine unerkannte Diabetes-Erkrankung diagnostiziert hatte, hat inzwischen eingeräumt, dass Thomas R. auch an Rattengift gestorben sein könnte.

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