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Hafenstraße: Voscherau keilt aus

Abmahnung gegen Verein Hafenstraße / Bürgermeister im Alleingang auf der Suche nach Mehrheiten  ■  Aus Hamburg Axel Kintzinger

Hamburgs Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) hat es jetzt eilig, sein Problem Hafenstraße zu lösen. Die ihm direkt unterstellte Rathaussenatorin Elisabeth Kiausch (SPD) hat die Vermieterin der Hafenstraßen-Häuser, die stadteigene Lawaetz-Stiftung, am Donnerstag abend angewiesen, den Verein Hafenstraße abzumahnen. Damit hat Voscherau den ersten Schritt zu der von ihm gewünschten Kündigung des Pachtvertrages getan.

Der Anlaß für diese Maßnahme stellt selbst für Hamburgs neue Regierungsverhältnisse ein Kuriosum dar: Eine Stacheldrahtrolle, die Anfang der Woche kurzzeitig an einem Baugerüst in der Hafenstraße befestigt war, hält als Grund für eine angebliche Vertragsverletzung her. Die BewohnerInnen hatten die Drahtrolle an das Gerüst angebracht, um Unbefugten einen nächtlichen Zutritt zu verwehren. Touristen hatten sich in der vergangenen Zeit gerne auf dem Gerüst stehend ablichten lassen. Als der Zutritt zum Gerüst mit einem Gitter gesichert wurde, verschwand die Stacheldrahtrolle wieder. Eine Abmahnungsdiskussion innerhalb der Landesregierung war eigentlich für die kommende Kabinettssitzung am Dienstag vorgesehen. Ohne den Koalitionspartner FDP oder die anderen SenatorInnen davon zu unterrichten, veranlaßte Voscherau diesen Schritt im Alleingang.

Der Dohnanyi-Nachfolger hofft, über eine Räumung der Hafenstraße möglichst noch vor den großangelegten Feierlichkeiten zum 800. Hafengeburtstag ab Mai nächsten Jahres die absolute Mehrheit zu erreichen. Eine Infas-Studie scheint Voscherau in dieser Hoffnung zu unterstützen: Wegen seines harten Kurses gegen die Hafenstraße hat die SPD immens an Zustimmung gewonnen, während die stets nach einer gewaltsamen Lösung rufende CDU erdrutschartige Verluste zu verbuchen hat - Voscherau, der sich in selten starker Abhängigkeit zur marktbeherrschenden Springer-Presse befindet, hat die Union rechts überholt.

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