: Gurke des Tages
■ betr.: Zeitschrift Max
Toll, liebe Max-Redaktion, daß wir durch Dich endlich wissen, wie großer Journalismus funktioniert, pardon, besser: das Blattmachen. Da habt Ihr ein paar Fotos von Steffi Graf mit super Motiven wie „Am Strand“ (aaahh, Sand auf nackter Haut) oder „Auf Bett“ (aaahh, nackte Haut auf Seide), und die gebt Ihr rechtzeitig an Bild und Blick. Dort macht man dankbar was Tolles draus, wie „Intime Bekenntnisse einer jungen Frau“ oder „Ein Blick in Steffis Seele“ (wobei wir eigentlich auf ihr bloßes Knie blicken) – zwei Tage lang inklusive Kommentar auf der Seite 2 („Eine Knospe blüht“).
Nun revanchierst Du Dich, liebe Max-Redaktion, im neuen Heft (4/93) mit einer tollen Doppelseite, wo sich irre gefreut wird über „beträchtliches publizistisches Aufsehen“ aufs Steffi-Graf-Portrait. Als Beleg zählen wir ein, zwei... aha, sieben Zeitungsausrisse, hübsch sauber faksimiliert. Von Bild und Blick. Sagt mal, echt, hat sich sonst niemand für Eure tolle Story interessiert? Klasse auch die publizistische Idee, den Bild-Ober-Maxen Draxler in einem knackigen Kurzessay (19 breite Zeilen, soviel darf er sonst nie an einem Stück schreiben) Euren publizistischen Doppelspaß abhandeln zu lassen: „Es ist die Aura des Geheimnisvollen, die sie mit jedem Jahr interessanter macht.“
Nun wäre das schon alles dufte genug, Maxis, aber Ihr schafft es, Euch selbst zu toppen. Laßt nämlich 168 Seiten weiter hinten die Schwallhansel Daum (VfB) und Beckmann (Sat.1) „ein offenes Gespräch“ führen, und was lesen wir postwendend in Bild auf Seite 1? „,Fußball ist schöner als ein Orgasmus“, sagt Daum in einem Interview der Zeitschrift ,Max‘.“ Und dann im Sportteil noch 'n Bombenartikel. Super, super, super.
Aber das wird ja noch nicht alles sein. Wir warten ganz gespannt, welches beträchtliche publizistische Aufsehen das wieder hervorruft. Wenn wir die Öhrchen gaaanz arg spitzen, ist schon das Rauschen im Blätterwald zu hören. Reicht's wieder für 'ne Doppelseite im Mai- Heft? Ihr macht das schon!
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