Großbritanniens Regierung wird umgebildet: "Fürst der Finsternis" soll Brown retten

Ex-Handelsminister Peter Mandelson kehrt in die britische Regierung zurück. Er soll dem bedrängten Premier Gordon Brown Aufwind verschaffen. Dabei galten die beiden als verfeindet.

Peter Mandelson: Sieht so ein "Fürst der Finsternis" aus? Bild: reuters

Völlig überraschend hat Großbritanniens Premier Gordon Brown den 54-jährigen Peter Mandelson als Handelsminister ins Kabinett zurückgeholt. Den Posten hatte er bereits nach Labours Wahlsieg 1997 inne, er musste aber im Folgejahr zurücktreten, weil er einen zinsgünstigen Kredit vom Labour-Sponsor Geoffrey Robinson angenommen hatte.

Nach einer kurzen Schamfrist holte ihn der damalige Premierminister Tony Blair 1999 als Nordirlandminister zurück, doch im Januar 2001 musste Mandelson erneut gehen: Er soll einem indischen Geschäftsmann gegen eine Spende von 1 Million Pfund für den Millennium Dome einen britischen Pass beschafft haben. 2004 lobte die Regierung ihn als EU-Handelskommissar nach Brüssel weg.

Mandelson ist einer der Architekten von New Labour. Seine Rolle als "Spin Doctor", der allem stets einen regierungsfreundlichen Dreh gab, während er selbst im Hintergrund blieb, brachte ihm den Spitznamen "Fürst der Finsternis" ein.

Mandelsons Wiederauferstehung ist Teil einer Kabinettsumbildung, die Brown gestern bekannt gab. Der bisherige Handelsminister John Hutton übernimmt das Verteidigungsministerium von Des Browne, für den es keinen neuen Job gibt. Ed Miliband, Bruder des Außenministers David Miliband und enger Vertrauter Browns, erhält das neu geschaffene Ministerium für Klimawandel und Energie.

Die Kabinettsumbildung wurde durch die Transportministerin Ruth Kelly ausgelöst, die nach Browns Parteitagsrede vorige Woche ihren Rücktritt "aus familiären Gründen" erklärt hatte. Es wird gemunkelt, dass diese Gründe in Wirklichkeit mit dem Gesetz zur Embryonalforschung zu tun haben. Kelly ist strenggläubige Katholikin und gehört Opus Dei an.

Brown geht mit Mandelsons Ernennung ein erhebliches Risiko ein. Die beiden haben seit 25 Jahren eine recht stürmische Beziehung und galten als Erzfeinde, seit Mandelson 1994 eine wichtige Rolle dabei spielte, dass nicht Brown, sondern Tony Blair Nachfolger des verstorbenen Labour-Chefs John Smith wurde.

Brown hat offenbar seit Monaten um Mandelson gebuhlt. Dessen Freund Benjamin Wegg-Proser sagt, die beiden hätten sich mehrmals getroffen und unzählige Telefonate geführt. "Es illustriert die angeschlagene Position des Premierministers, dass er den Rat von jemand sucht, gegen den er mehr als zehn Jahre lang eine Fehde geführt hat", fügte Wegg-Proser hinzu. "Browns Gefolgsleute haben damals niemanden mehr gehasst als Peter. Ihre Reaktion auf seine neuerliche Berufung ist vermutlich nicht druckreif."

Da Mandelson kein Abgeordneter mehr ist, muss Brown sich einen Trick einfallen lassen, um ihn ins Kabinett zu holen. Vermutlich wird er ihn zum Oberhauslord machen. Mandelsons früherer Berater Derek Draper sagte: "Peter wird ein großartiger Minister sein. Die Menschen werden sich Peter anschauen und denken, dass sie ihn falsch beurteilt haben. Jetzt wird sich Peters gute Seite durchsetzen."

Exinnenminister David Blunkett sagte: "Es ist ein Geniestreich, denn die Verbindungen, die er als EU-Kommissar aufgebaut hat, sind für Großbritannien sehr wertvoll. Es ist auch ein politischer Geniestreich, jemanden zurückzuholen, der ein ausgesprochener Blair-Anhänger ist." Der linke Labour-Abgeordnete John McDonnell, der voriges Jahr vergeblich gegen Brown für die Parteiführung kandidierte, sagte jedoch: "Die gesamte Labour-Bewegung ist vollkommen fassungslos über die Motive des Premierministers. Es ist ein außerordentlicher Rückschritt in die schlimmste Zeit der Blair-Ära, die umstrittenste Person der jüngeren Labour-Geschichte zurückzuholen."

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