Grammy-Verleihung: Winehouse räumt ab

Die britische Soulsängerin gewinnt fünf Grammys, sorgt aber auch per Live-Schalte aus London für Verstörung. US-Politiker Obama sticht Rivalen Clinton aus. Weitere Gewinner: Kayne West und Hancock.

Mal wieder etwas desorientiert: Amy Winehouse. Bild: dpa

LOS ANGELES dpa/afp/taz Trotz massiver Drogenprobleme hieß die klare Gewinnerin der Grammy-Awards 2008 Amy Winehouse. Bei der Gala am Sonntagabend erhielt die 24-Jährige in Los Angeles fünf der begehrten Musikpreise, unter anderem für den Song des Jahres, für das beste Pop-Album - und, angesichts der jüngsten Shows etwas überraschend, für den besten Auftritt einer Pop-Sängerin.

Winehouse selbst nahm an der Veranstaltung nicht teil. Nach einigem Hin und Her hatte sie zwar ein Visum für die USA bekommen, blieb reiste dann aber wegen ihrer laufenden Entziehungskur doch nicht an. Ironischerweise wurde sie gerade für ihren Song "Rehab" mehrfach ausgezeichnet, in dem sie sich lauthals weigert, sich wegen ihrer Drogensucht in Behandlung zu geben. Doch dann war Winehouse doch wenigstens ein bisschen anwesend: Mit wächsernem Gesicht wurde sie aus London live zugeschaltet. "Es ist eine Ehre, hier zu sein. Danke Ihnen sehr, sehr", sagte sie mit tonloser Stimme. Blass und in sich gekehrt gab sie außerdem von einem rot-plüschigen Club ihren Hit "Rehab" zum Besten.

Als ihr fünfter Preis für die CD "Back To Black" bekanntgegeben wurde, verlor sie beinahe die Fassung. Trotz des Jubels im Publikum wandte sich die 24-Jährige mit zuckendem Gesicht ab und vergrub den Kopf erst an der Schulter eines Musikers, später lehnte sie sich lange an ihre Mutter. "Für meine Mutter und meinen Vater, für meinen Blake, meinen eingesperrten Blake, und für London", sagte sie mit Hinweis auf ihren Mann Blake Fielder-Civil, der derzeit wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt.

Nur den Preis für das Album des Jahres erhielt sie nicht - er ging stattdessen überraschend an US-Jazzlegende Herbie Hancock für seine CD "River: The Joni Letters". "Sie wissen ja, dass es 43 Jahre her ist, seit ein Jazz-Künstler zum ersten und einzigen Mal diesen Preis bekommen hat", sagte Hancock überwältigt.

Ansonsten war die diesjährige Grammy-Verleihung eine eher überraschungsfreie Veranstaltung. Der amerikanische Rapper Kanye West, mit acht Nominierungen Top-Favorit, konnte immerhin vier Trophäen ergattern, darunter die für das beste Rap-Album und den besten Rap-Song. Altrocker Bruce Springsteen erhielt drei Preise, unter anderem für die beste Rocksingle "Radio Nowhere". Zum besten Rockalbum des Jahres wurde "Echoes, Silence, Patience & Grace" von der Band Foo Fighters ernannt.

Einen umjubelnden Auftritt hatten Rock-Ikone Tina Turner und R&B-Sängerin Beyoncé Knowles: Gemeinsam sangen sie den Turner-Klassiker wie "What's Love Got To Do With It". Auftritte hatten auch Aretha Franklin, Ringo Star, Stevie Wonder und Cindy Lauper.

Auch US-Präsidentschaftsanwärter Barack Obama nahm eine der Trophäen mit nach Hause: Für die Hörbuchfassung seiner Version vom amerikanischen Traum wurde der Demokrat am Sontag in Los Angeles mit einem Grammy ausgezeichnet. Die Audio-Version seines Buchs "The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream" gewann in der Kategorie "Gesprochenes Wort". Damit stach der Senator von Illinois gleich zwei frühere US-Präsidenten aus, denn Bill Clinton, der Mann von Obamas parteiinternen Rivalin Hillary Clinton, und Jimmy Carter waren ebenfalls in dieser Kategorie nominiert.

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