Geschäftsmodell Online-Lieferdienste: Start-up abgezogen

Ein Gastronom entdeckt, dass ein Lieferservice sein Essen illegal online verkauft. Die Geschäftspraktik nutzt er, um selbst Profit zu erwirtschaften.

Doordash-Lieferant in New York – das Start-up steht nun ziemlich mies da Foto: Richard B. Levinde/Imago

Yelp und Google beeinflussen mit ihren Bewertungen die Speisenauswahl von Millionen. Wie viel Geld Restaurants daran verdienen, hängt von den digitalen Vermittlern und Lieferdiensten ab. Und das Geschäft wird auch ohne Zustimmung der Gastwirtschaften betrieben. So erfuhr Aj’s NY Pizzeria in New York erst von der Kundschaft vom eigenen Lieferservice. Wie der Pizzabäcker bei Google Maps lernen musste, nutzte die Firma Door­dash ohne Vertrag einfach die Möglichkeit der Abholung im Restaurant.

Dazu hatte Doordash offenbar die Speisekarte falsch ausgelesen und lieferte regelmäßig falsche Ware. Die Beschwerden landeten im Restaurant. Bei genauer Prüfung der Angelegenheit wurde klar, dass auch die Preise nicht stimmten. So wurde die Hausspezialität für 16 statt 24 Dollar angeboten.

Der Eigentümer erzählte die Geschichte einem Freund. Dieser, als Börsenmakler vertraut mit bizarren Deals, hatte sogleich eine Idee. Wenn Lieferfahrer eine Pizza für 24 Dollar bei Aj’s erwarben, an Endkunden aber acht Dollar billiger verkauften, könnte der Wirt seine Pizza doch einfach selber bestellen und die Differenz als Profit einfahren. Ein Versuch mit zehn Pizzen gelang.

Um die Gewinnmarge zu erhöhen, gingen der Makler und der Bäcker dazu über, statt der teuren Pizza nur noch unbelegten Teig in den seltsamen Ringtausch einzuspeisen. Das machte so viel Spaß, dass sie das Spiel wochenlang betrieben. Der Pizzabäcker jedoch verlor irgendwann die Lust daran, gestattete aber seinem Maklerfreund, öffentlich darüber zu berichten. Doordash steht mit seinem unverschämten Gebaren nun ziemlich mies und dazu noch reichlich dumm da.

Am Ende der Nahrungskette

Dass der Trick des Maklers überhaupt funktionieren konnte, ist der Wachstumsideologie von Start-ups geschuldet. Marktbeherrschung muss um jeden Preis, auch durch finanzielle Verluste, erreicht werden. Da ist ein negatives Verhältnis von Einkaufs- und Verkaufspreis nichts Ungewöhnliches und fällt eben über Wochen nicht auf.

Während der Pizzabäcker gut beraten war und sich in diesem Falle gewitzt wehren konnte, stehen solche Möglichkeiten nur den wenigsten Gastronomiebetrieben offen. Von den Lieferfahrern ganz zu schweigen – denn die stehen immer am Ende der Nahrungskette.

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Jahrgang 1976, tätig für die tageszeitung seit 2006, Redakteur und CvD bei taz.de 2012-19, seitdem Redakteur für digitale Gesellschaft und Zeug. Errungenschaften: 2. Platz im Sackhüpfen (bis 8 Jahre) des Ferienlagers Großräschen (1983), Wiedervereinigung (1990), Literaturstipendium des Landes Sachsen-Anhalt (2004), Triglav (2011/15). Public key: https://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=vindex&search=0xC1FF0214F07A5DF4

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