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berliner szenenGerade keine freien Kapazitäten

Es ist Samstagabend, kurz nach neun, als der Wasserhahn an der Küchenspüle nicht mehr zugeht. Es gibt nur noch zwei Positionen: Wasser fließt aus dem Hahn ins Spülbecken oder Wasser tritt seitlich aus und läuft an der Wand entlang. Beim Versuch, das Wasser unter der Spüle abzudrehen, hält mein Mann das altersschwache Ventil in der Hand. Jetzt bleibt nur noch der Kaltwasserhaupthahn im Bad. Und somit gibt es nur noch Wasser, das sogar zum Händewaschen zu heiß ist.

Die Stimmung sinkt auf den Tiefpunkt. Früher hing eine Notfallnummer im Hausflur. Seit Januar haben wir eine neue Verwaltung, die haben den Zettel abgenommen. Im Netz recherchiere ich nach Sanitärnotdiensten. Drei haben „gerade keine freien Kapazitäten“. Bei der vierten Nummer verspricht man mir, innerhalb der nächsten Stunde werde sich jemand melden. Wenig später stehen zwei junge Männer vor der Tür. Sie sind trendy angezogen, sprechen rudimentär Deutsch und haben keinerlei Werkzeug dabei. Kurzes Geldgespräch: Notdienstzuschlag. Wochenendzuschlag. Anfahrtpauschale. Materialkosten. Wir sind bei 500 Euro, bevor sie den Werkzeugkoffer aus dem Auto holen.

Seit über einem Jahr versuche ich, einen Klempner für ein paar einfache, aber notwendige Installationsarbeiten zu bekommen. Ich würde mittlerweile fast jeden Preis zahlen, aber das sage ich nicht laut. Sie haben nur einen sehr einfachen Wasserhahn dabei, den sie einbauen. Neue Ventile bekommen wir auch. Ob wir einen Folgetermin machen wollen für einen schöneren Hahn? Das ist unsere Chance! „Schreibst du mir deine Nummer auf?“, frage ich. Er stutzt kurz, dann kritzelt er eine Mobilnummer auf die Rechnung. Ich weiß nicht, wie er heißt. Aber er scheint zu können, was wir nicht können. Und darauf kommt es an. Gaby Coldewey

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