piwik no script img

Gemeinsam Auschwitz besuchen

■ 90 Jugendliche aus Berlin und Israel besuchen Ex-KZ

Die Nervosität war der 17jährigen Grete Seels von der Jugendorganisation „Die Falken“ anzumerken. Sie habe, bekannte sie gestern, schon „ein bißchen Angst“, mit den israelischen Gästen Auschwitz zu besuchen. „Ich hoffe aber auch, daß sie sehen, daß sich Deutschland geändert hat.“

Zum ersten Mal werden in dieser Woche gemeinsam 90 Jugendliche der „Falken“ und von „Hashomer Hatzair“ (Junge Wächter) aus Israel das ehemalige Vernichtungslager in Polen besuchen. Bereits 1993 waren die „Falken“ – eine der SPD nahestehende Jugendorganisation – aus Anlaß des 60. Jahrestages von Hitlers „Machtergreifung“ mit rund 700 Teilnehmern nach Auschwitz gefahren – damals allerdings noch ohne israelische Gäste.

Für die erste gemeinsame Fahrt mit ihrer israelischen Partnerorganisation wurden die Jugendlichen in zahlreichen Veranstaltungen und Seminaren vorbereitet, so der „Falken“-Landessekretär Frank Folger. Zwischen beiden Organisationen bestehen seit Jahren enge Kontakte.

Die rund 15.000 Mitglieder zählende Hashomir Hatzair versteht sich nach eigenen Angaben als „zionistisch-sozialistische Jugendbewegung“, die sich der Kibbuz- Idee verpflichtet fühlt. Die Organisation setze sich für eine Verständigung zwischen dem israelischen und dem arabisch-palästinensischen Volk ein, meinte gestern deren Vorsitzender Avmer Kobliner. Er hoffe, daß die Reise den deutschen und israelischen Jugendlichen helfe, offen über ihre Gefühle zu sprechen. „Der Austausch beider Völker ist wichtig“, begründete die 16jährige Ron Elazari ihre Teilnahme. Gerade viele ältere Mitglieder ihres Kibbuz hätten sie ermutigt, die Reise zusammen mit den Deutschen anzutreten. Für manchen der jungen Israelis – wie dem 16jährigen Jonathan Kanner – ist die Fahrt auch eine Konfrontation mit der eigenen Familiengeschichte: Seine Großmutter war in Auschwitz. Ihn interessiere vor allem, welche Haltung seine deutschen Altersgenossen zu ihrer Vergangenheit hätten. Severin Weiland

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen