piwik no script img

Geheimstudie: DDR verdreckt Elbe

Hamburg (dpa) - Unternehmen in der DDR kippen jährlich Zehntausende Tonnen giftiger Abfälle in die Elbe und lassen den Fluß so zur Kloake verkommen. Dies belegt nach Angaben des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel‘ eine bisher geheimgehaltene Studie aus dem Ostberliner Umweltministerium. Die Belastung des Flusses mit dem Schwermetall Cadmium - so der Bericht - übertrifft die Trinkwasser-Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft (EG) bis zum 90fachen, beim gefährlichen Quecksilber sogar bis zum 250fachen.

Wie es weiter heißt, dokumentiert die Studie, daß die DDR insgesamt 90 Prozent der Elbschadstoffe in den Fluß kippt, nur ein Bruchteil stamme aus der CSSR. Auf den 576 Kilometern zwischen Schmilka an der CSSR-Grenze und Boizenburg an der innerdeutschen Grenze steigt, so die Geheimstudie, der Schwermetallanteil um das Fünffache, die Belastung mit Sauerstoff fressenden organischen Stoffen um das Vierfache.

Zu den schlimmsten Elbverschmutzern in der DDR zählt das Chemiekombinat Bitterfeld. Auch die Zuflüsse der Elbe seien inzwischen zu Kloaken verkommen. Klärwerke, die Entlastung bringen könnten, gebe es kaum. Beispielsweise liege das Klärwerk in Kaditz seit mehr als zwei Jahren still - wegen „Rekonstruktionsarbeiten“.

Besonders die BRD muß unter der Elbverschmutzung leiden. Wenn der Fluß bei Schnackenburg die DDR verläßt, hat das Wasser eine „unbrauchbare Beschaffenheit für die Trinkwasser -, Badewasser- und Fischereinutzungen“. Selbst als Kühlwasser sei es nur noch bedingt verwendbar.

Bislang gab es in der DDR eine scharfe Datensperre im Zusammenhang mit Umweltfragen. Kürzlich beschloß der Ministerrat, daß Umweltdaten regelmäßig veröffentlicht werden sollen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen