Gedenkveranstaltung in Köln: Ein stiller leerer Platz
Weniger als 100 Menschen folgen dem Aufruf von Gewerkschaften und Arbeitgeberverband in Köln zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Terrors.
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KÖLN taz | Es ist ein trostloser Mittag auf dem Hans-Böckler-Platz in Köln. Das Häuflein, das sich um kurz vor 12 Uhr zwischen der örtlichen DGB-Zentrale und dem Westbahnhof versammelt hat, ist überschaubar. "Wir stellen uns quer", steht auf einem weißen Banner.
Doch nicht einmal hundert Menschen sind dem gemeinsamen Aufruf der Gewerkschaften und des Kölner Arbeitgeberverbands gefolgt. Beim traditionellen Katerfrühstück der Unternehmervertretung am Aschermittwoch waren es mehr als doppelt so viele.
Erschienen sind immerhin etliche Repräsentanten der Kölner Stadtgesellschaft - von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes über Land- und Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei bis zum Polizeipräsidenten Wolfgang Albers. Der Schriftsteller Dogan Akhanli ist ebenso vor Ort wie der grüne Landesvorsitzende Sven Lehmann und der türkische Generalkonsul Mustafa Kemal Basa.
Aufruf zu mehr Zivilcourage
Große Ansprachen gibt es nicht. Schließlich gehe es um eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt, sagt Kölns DGB-Chef Andreas Kossiski. Deshalb beschränkt er sich auf einige wenige Sätze. "Wir Gewerkschaften haben uns nicht vorstellen können, dass wir nach der Zeit des Nationalsozialismus noch mal so eine Mordserie erleben müssen", sagt er und ruft zu mehr Zivilcourage gegen Rechtsextremismus auf. Um 12.05 Uhr ist alles vorbei.
Vielleicht ist es einfach der falsche Ort für eine solche Veranstaltung. Besser hätte sie wohl rund sieben Kilometer entfernt auf der anderen Rheinseite stattgefunden. Dort, in der belebten Keupstraße im Kölner Stadtteil Mülheim, verübten am 9. Juni 2004 die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ein Nagelbombenattentat. 22 Menschen türkischer Herkunft wurden verletzt, vier davon schwer.
Nur einen Tag nach dem Anschlag verkündete der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden deuteten "auf ein kriminelles Milieu" hin. Ein fataler Fehlschluss. Auch die Explosion eines Sprengsatzes in einem Lebensmittelshop in der Kölner Innenstadt am 19. Januar 2001 wird der Rechtsterroristenzelle Nationalsozialistischer Untergrund zugerechnet. Eine damals 19-jährige Deutschiranerin überlebte nur schwer verletzt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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