Gedenkfeier für die Toten der Riots

Die drei Helden von Birmingham

Tausende gedenken der drei pakistanischstämmigen Männer, die von mutmaßlichen Plünderern getötet wurden. Es war der Vater eines der Opfer, der Rache verhinderte.

Gedenkfeier für die Toten im Summerfield Park, Birmingham. Bild: dapd

DUBLIN taz | Rund 5000 Menschen hatten sich versammelt, um ihre Solidarität auszudrücken. "Vereintes Birmingham, eine Stadt, eine Stimme für den Frieden" stand auf einem Transparenz über der Bühne im Summerfield Park. Im nahen Stadtviertel Winson Green von Englands zweitgrößter Stadt waren in der Nacht zum Mittwoch letzter Woche drei junge Asiaten von einem Auto über den Haufen gefahren worden, als sie versuchten, Läden und die Moschee vor Plünderern zu schützen.

Am Sonntag nachmittag Punkt 16 Uhr 07 (Ortszeit) legten die Menschen in dem ärmlichen Stadtteil, von dessen 25.000 Einwohnern drei Viertel aus Pakistan, Indien oder der Karibik stammen, eine Schweigeminute für den 21-jährigen Haroon Jahan, den 30-jährigen Shazad Ali und seinen ein Jahr älteren Bruder Abdul Musavir ein. Alle drei sind in Birmingham geboren, ihre Eltern stammen aus einem kleinen Ort in Pakistan.

Der Tod der dreien hatte Ängste geweckt, die Unruhen der vergangenen Wochen könnten in interethnische Gewalt zwischen Asiaten und Schwarzen ausarten, wie es sie in Birmingham bereits mehrfach gegeben hat. Es war Haroon Jahans Vater Tariq, ein ehemaliger radikaler Islamist, der Racheakte verhinderte, indem er die Menschen wenige Stunden nach dem Tod seines Sohnes zur Ruhe aufrief, damit nicht noch weitere Leute zu Schaden kommen.

Der britische Labour-Chef Ed Miliband hat am Montag im Parlament Premierminister David Cameron scharf kritisiert. "Eine Krise wie diese sagt einiges über unsere politischen Führer", sagte Miliband. "Tag für Tag greift der Premierminister nach schalen und oberflächlichen Antworten."

Miliband erinnerte daran, was Cameron vor zwei Jahren gesagt hatte, als er noch in der Opposition war: Natürlich werde nicht jeder, der in einem benachteiligten Viertel aufwachse, zum Verbrecher, aber es gebe Verbindungen zwischen den Lebensumständen und dem Verhalten, habe Cameron damals gesagt. (raso)

"Ich beschuldige niemanden", hatte er gesagt. "Ich beschuldige nicht die Polizei, ich beschuldige nicht die Regierung. Ich bin ein Muslim. Ich glaube an das göttliche Schicksal". Und weiter: "Warum tun wir das? Wenn ihr eure Söhne verlieren wollt, meldet euch. Wenn nicht, beruhigt euch und geht nach Hause."

"Es geht hier nicht um den Islam"

Am Sonntag sagte der 46jährige auf der Gedenkfeier, zu der auch die gesamte politische Prominenz Birminghams erschienen war: "Die Demonstration der Einheit gibt mir Kraft. Behaltet die drei Männer, die ihr Leben für die Gemeinschaft gaben, in Erinnerung." Er erinnerte daran, dass jetzt der islamische Fastenmonat Ramadan stattfindet, und dankte den Menschen, die ihm aus der ganzen Welt geschrieben haben, um ihn moralisch zu unterstützen. Einige muslimische Organisationen hatten sich beschwert, dass bei der Gedenkfeier Musik gespielt wurde. "Es geht hier nicht um den Islam", sagte Jahan. "Das ist eine Gemeinschaft, wir sind für alle hier."

Seit Donnerstag ist in der Innenstadt von Birmingham ein Transporter unterwegs, auf den ein mehr als sechs Quadratmeter großer Bildschirm montiert ist. Darauf werden Bilder von Überwachungskameras ausgestrahlt, die Plünderer in Großaufnahme zeigen. Insgesamt hat die Polizei in Birmingham und Umland mehr als 500 Menschen festgenommen.

Am Sonntagabend wurde ein dritter Mann wegen des Mordes an den drei jungen Männern angeklagt. Neben dem 23-jährigen Adam King sind bereits der 26-jährige Joshua Donald sowie ein 17-jähriger, dessen Name nicht veröffentlicht werden darf, weil er minderjährig ist, angeklagt worden. Drei weitere Männer, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, kamen gegen Kaution vorerst frei.

Premierminister David Cameron hatte vorige Woche die Brennpunkte der Unruhen besucht, unter anderem auch Birmingham. "Sie haben mein tiefstes Mitgefühl", sagte Cameron zu den Angehörigen der drei Getöteten. "Ich glaube, jeder in diesem Land denkt an diese drei Männer und ihre Familien."

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