piwik no script img

GUS-Krankheit gemeinsam kurieren

■ Weißrußland trotz Kontroverse über gemeinsames Militär optimistisch: Staatengemeinschaft nicht gefährdet

Minsk (ap) — Weißrußland sieht die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) trotz der Meinungsverschiedenheiten in der Streitkräftefrage nicht in ihrem Bestand gefährdet. Einen Tag nach dem GUS-Gipfel in Minsk sagte der weißrussische Präsident Stanislaw Schuschkewitsch, die Präsidenten der elf Mitgliedsstaaten seien sich darin einig, daß alle Republiken „an denselben Krankheiten leiden und sich zusammenschließen müssen, um sie zu kurieren“. Diese Einheit werde die Lösung insbesondere der wirtschaftlichen Probleme ermöglichen.

Auf dem dritten Gipfeltreffen seit Gründung der Gemeinschaft vor neun Wochen hatten sich acht Republiken dafür entschieden, die ehemals sowjetischen Truppen auf ihrem Gebiet für zwei Jahre unter einem einheitlichen Kommando zu belassen. Der letzte UdSSR-Verteidigungsminister Jewgeni Schaposchnikow soll für diese Übergangsperiode Oberbefehlshaber bleiben. Schuschkewitsch teilte mit, Weißrußland wolle in dieser Zeit ebenso wie die Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien eigene Streitkräfte aufbauen.

Der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk hatte am Freitag zum Abschluß des Gipfels gesagt, es hätten sich zwei Gruppen von Regierungen herausgeschält, von denen die eine für ein gemeinsames Oberkommando eintrete, während die andere für unabhängige Truppen sei.

Unberührt von dem Streit blieben die strategischen Streitkräfte der Ex- Sowjetunion. Die GUS-Staatschefs sind sich offenbar weiterhin darüber einig, daß die Atomwaffen unter gemeinsamem Kommando stehen sollten. Dies wurde laut Krawtschuk in Minsk in einem entsprechenden Dokument auf dem GUS-Gipfeltreffen bestätigt.

Die meisten der 27.000 sowjetischen Atomsprengköpfe sind in Rußland, kleinere Teile in der Ukraine, in Weißrußland und Kasachstan stationiert. Schuschkewitsch sagte am Wochenende, diese vier Staaten hätten einen „heißen Draht“ eingerichtet, über den sie in Krisenfällen Kontakt aufnehmen wollen. Ein Mitglied der ukrainischen Delegation, Dmitro Pawlytschko, sagte, die Ukraine werde bis 1994 alle auf ihrem Gebiet stehenden Kernwaffen „vernichten“.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen