Fussball-Bundesliga: Und los geht's

Heute startet die neue Saison der Bundesliga. Was sie bringen wird? Drei Kurzanalysen der Charaktervereine Bayern, Köln und Kaiserslautern.

Gänzend: Im Fussball geht es nur ums Runde. Bild: dpa

Die einsamste Spitze

VON THOMAS BECKER

Ein Fußballleben ohne die Bayern? Schwierig. Auch die kommende Saison verspricht großes Kino, womöglich auch großen Sport. Gründe dafür gibt's genug.

Da ist zum Beispiel Uli Hoeneß. Mittlerweile findet der Neu-Präsident ja sogar Zeit für tragende Hauptrollen in YouTube-Filmen zum Thema Bratwurstsemmeln, und auch als Ankurbler der Randsportart Basketball macht er von sich reden, auch wenn Dirk Nowitzki noch nicht unterschrieben hat. Wer weiß, was Hoeneß noch alles einfällt in seiner Altersteilzeit.

Und dann ist da ja noch dieser Louis van Gaal, schon nach einer Saison in Deutschland beliebtester Holländer seit Rudi Carrell. Da die Rumschreierei an der Säbener Straße gegen die eigenen, längst domestizierten Spieler ausfallen wird, fragt sich nur noch, was für eine Show das Feierbiest bei der Triple-Feier auf dem Rathausbalkon veranstalten wird. Und wie er danach Jogi Löw diesen Postentausch FC Bayern gegen Nationalelf schmackhaft machen konnte.

Und nun zum Sport. Spannendste Entwicklung der Saison: der unvermeidliche Aufstieg des Bastian Schweinsteiger zum Bayern-Kapitän. Vorbei am Nicht-mehr-Grätscher Mark van Bommel und auch vorbei am Außenliniendarsteller Philipp Lahm. Nebenbei jobbt der Ex-Schweini als James Bond, gewinnt Slalom-Gold bei der Ski-WM in Garmisch und übernimmt die Werbeverträge von Ballack, Bierhoff und Beckenbauer.

Noch was? Klar: Rib & Rob. Im einzigen Spiel, das Ribery und Robben gemeinsam bestreiten, ohne gerade verletzt, gesperrt oder in Untersuchungshaft zu sein, gelingen beiden je drei Treffer, die sie sich gegenseitig mit der Hacke auflegen. Die übrigen 124 Saisontore erzielt Thomas Müller, wer sonst? Prima auch die Entwicklung von Mario Gomez. Er bekommt viel Einsatzzeit, trifft nach einem halben Jahr Anlaufzeit wieder ins Tor und fühlt sich pudelwohl bei den Stuttgarter Kickers.

Und die Kaderplanung für die nächste Saison: Keeper Jörg Butt (36) verlängert bis 2017, Miroslav Klose wechselt erst nach der Polen-EM heim zur SG Blaubach-Diedelkopf, und Louis van Gaal nimmt nach dem Champions-League-Sieg sein Oranje-Trainerteam mit in seinen neuen Job beim DFB.

Aber im Ernst: Was die Spannung angeht, droht diese Saison sturzlangweilig zu werden. Der Kader ist von Anfang an stabil, eingespielt, durch Ausnahmekönner Toni Kroos aufgehübscht und bis 2015 mit Ribéry veredelt. Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens die internationale Konkurrenz ein bisschen gegen die Bayern-Übermacht wehrt, und das nicht erst im Champions-League-Finale.

Das minimalistische Mittelfeld

VON DANIEL THEWELEIT

Mit sportlichem Erfolg lässt sich die erstaunliche Popularität des 1. FC Köln seit vielen Jahren nicht mehr erklären, das Geheimnis dieses Vereins sind seine Geschichten. Es gab eine Prinzengeburt, Ab- und Aufstiege, ein Messias ist gekommen und wieder gegangen. Nur eines gibt es in Köln seit vielen Jahren nicht mehr: guten Fußball. Die Haupterkenntnis dieses Sommers lautet: Der 1. FC Köln ist langweilig geworden. Nun gut, die Spieler haben ihr Bestes gegeben und sich in zwei Vorbereitungsspielen mit gegnerischen Akteuren gebalgt, auch eine Gruppe besonders leidenschaftlicher Fans prügelt sich gerne und regelmäßig mit irgendwelchen Leuten. Aber sonst? Nicht viel los in Köln.

Trainer Svonimir Soldo mag ein brauchbarer Fachmann sein, sein Problem: Noch langweiliger als der Fußball, den er spielen lässt, sind seine Interviews. Und der zur besonders teuren Neuverpflichtung neigende Manager Michael Meier wurde in diesem Sommer von den Besonnenen im Klub gebremst. Bescheiden "Minimalziel ist es, am Ende vor Borussia Mönchengladbach zu stehen", sagt er, um den Begriff "Klassenerhalt" zu vermeiden. Nicht einmal mehr Lukas Podolski liefert Schlagzeilen, Milovoje Novakovic verzichtet auf Alkoholfahrten und Wolfgang Overath macht sich rar.

Nachdem der weltmeisterliche Präsident in den vergangenen Jahren immer wieder dürftig verschleiert angekündigt hat, der FC werde nicht sofort, aber bald, sehr bald, wieder im Konzert der Großen mitfiedeln, wirkt er seit einiger Zeit desillusioniert. Voriges Jahr haben sie viele Millionen Euro in Maniche und Podolski gesteckt, doch statt mit diesem Kraftakt den Sprung in die obere Tabellenhälfte zu erzwingen, wurde mit Mühe die Klasse gehalten.

Jetzt fehlt das Geld, der Glanz ist verblasst, die prominenteste Neuverpflichtung des Sommers heißt Martin Lanig (VfB Stuttgart). Auf einigen Schulhöfen der Stadt sind Leverkusen-Trikots längst ein cooleres Kleidungsstück als die Shirts aus dem FC-Fanshop.

Um dem Ego des Präsidenten zu schmeicheln, ließ der Express in der Sommerpause über den besten Kölner Fußballer aller Zeiten abstimmen. Overath (24,9 Prozent) siegte vor Toni Schumacher (22,9) und Pierre Littbarski (17,7) - Zuflucht vor der Gegenwart im Mittelmaß bietet das Schwelgen in der Vergangenheit.

Doch der Zustand der Ruhe ist fragil, Soldo gilt bei einigen Wettanbietern als heißester Kandidat auf die erste Trainerentlassung der Saison. Und vielleicht kommt dann ja Christoph Daum zurück. Oder wenigstens Bernd Schuster. Dass ein Anruf bei José Mourinho zwecklos wäre, haben sie wohl inzwischen gelernt in Köln.

Der bescheidene Aufsteiger

VON TOBIAS SCHÄCHTER

Betzi ist wieder unterwegs. Der als Plüschteufel-Maskottchen des FCK verkleidete Mensch besucht wieder die Erstklässler in Kaiserslautern. Den Kindern gefällt das, wenn ein rotes Teufelchen im Klassenzimmer herumspringt und sie abklatscht. Der erste Fußballklub der Pfalz zieht sich so neue Generationen von Fans. Als Betzi im letzten Jahr durch die Grundschulen zog, spielte der 1. FC Kaiserlautern noch in der zweiten Liga und das Maskottchen sagte zu den Erstklässlern: "Ihr seid da, wo wir gerne hin wollen." Zwölf Monate und einen überraschenden Aufstieg ist das jetzt her. Der FCK ist vier Jahre nach dem Abstieg in die zweite Liga und einem Jahrzehnt des Größenwahns und der internen Grabenkämpfe wieder zurück in der ersten Liga.

Niemand glaubt in der Pfalz an eine Wiederholung jenes Fußball-Märchens von 1998, als unter Otto Rehhagel nach dem Aufstieg gleich die Deutsche Meisterschaft gelang. "Es geht nur darum, nicht abzusteigen", sagt Trainer Marco Kurz. Der 41 Jahre junge Kurz feiert am Samstag in Köln seine Premiere als Cheftrainer in der Bundesliga. Erst letzte Woche verlängerte Klubchef Stefan Kuntz demonstrativ dessen Vertrag vorzeitig bis 2012. Steilthesenexperten, die behaupten, der FCK gehe mit einer schlechteren Mannschaft als in der vergangenen Saison in die neue Runde, entgegnet er: "Wir haben einen Kader, der in der Gesamtheit stärker ist als zuvor." Doch gerne abgegeben haben die Pfälzer die drei Aufstiegshelden Sidney Sam (Leverkusen), Erik Jendrisek (Schalke) und Georges Mandjeck (Stade Rennes) nicht. Aber wenn andere Bundesligisten locken, hat der FCK keine Chance. Nur 13,5 Millionen Euro beträgt der Lizenzspieleretat und Stefan Kuntz sagt: "Wir brauchen mindestens zwei Jahre erste Liga, um wieder mit Mittelklasseklubs wie Mönchengladbach einigermaßen konkurrieren zu können." Zehn neue Profis wurden verpflichtet. Alle Positionen sind doppelt besetzt, aber aufgrund der Budgetlage und auch aus grundsätzlichen Überlegungen heraus fehlen gestandene Erstligaspieler.

Verlassen können sich die Pfälzer wieder auf ihren Anhang, der Dauerkartenverkauf wurde bei 25.000 Stück gestoppt und zum ersten Heimspiel gegen den alten Rivalen FC Bayern München ist die Arena ausverkauft. Es macht den Leuten wieder Spaß, "nuff, uff de Betze" zu den Spielen des FCK zu gehen. Aber ein so krasser Außenseiter wie diesmal waren die Pfälzer in der Liga noch nie. Vielleicht liegt ja gerade darin die Chance des FCK. Betzi will schließlich unbedingt länger in der ersten Klasse herumhüpfen, als die Erstklässler der Lauterer Grundschulen.

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