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„Für den EU-Beitritt, auf den Selenskyj hofft, wird Merz sich nicht mit Verve einsetzen“

Tanja Tricarico

Tanja Tricarico ist Auslands­redakteurin der taz und schreibt über Außen- und Sicherheits­politik.

In Sachen Friedensverhandlungen ist im Ukrainekrieg derzeit nicht viel zu holen. Wir befinden uns im Jahr 5 der russischen Vollinvasion, Solidarität bröckelt international, Aufmerksamkeit schwindet. Der eratische US-Präsident hat es erfolgreich geschafft, dass die Welt nur noch über die Straße von Hormus spricht oder über seine blasphemische Jesus-Imitation. Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident im Ausnahmezustand, und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, ebenfalls in einer Art Ausnahmezustand, übten sich in dieser Woche in neuer Normalität und trafen sich nach rund 20 Jahren erstmals wieder zu deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen. Es ging um ein gemeinsames Kulturjahr, Städtepartnerschaften, Wirtschaftsprojekte. Zur neuen Normalität gehört natürlich auch der Krieg: Also beeindruckten sich beide gegenseitig mit einer Drohnenschau. Win-win für alle. Die Bundeswehr soll von der Technologie profitieren, die Ukraine bekommt weitere Rüstungspakete. Für den EU-Beitritt, auf den Selenskyj hofft, wird Merz sich eher nicht mit Verve einsetzen. Dabei wäre der doch ein echtes Ziel für nachhaltigen Widerstand gegen Diktatoren. Merz setzt lieber darauf, dass wehrfähige Ukrai­ner recht bald in das Land im Krieg zurückkehren.

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