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Für Religionslehrer

■ Denys Arcands „Jesus von Montreal“

Junger Freund, ich versichere Sie meiner Bewunderung, diese Aufführung war ein Erlebnis.“ „Sie müssen unbedingt in meiner Sendung auftreten, diese Aufführung war ein Muß, ein Ereignis.“ „Junger Mann, ich habe unzählige Tränen vergossen, und zwar vom Anfang bis zum Ende.“ Theaterpremiere: die drei Kulturhyänen beim Abfeiern der obligatorischen Entdeckung der Saison. „Ich will seinen Kopf“, zischt die Herodias der Werbeszene, die ebenfalls von der Vorführung angetan ist, sie wird ihn bekommen, später. Viele bunte Vögel zeigt der Film, den Karriereberater für Menschen im Blickfeld der Öffentlichkeit zum Beispiel oder den ungläubigen Priester, als Bohemien und Kunstliebhaber.

Und nicht zuletzt Daniel, den Jesusdarsteller mit dem unschuldigen Äußeren. Er will die Passionsspiele auf dem kircheneigenen Berg bei Montreal neu in Szene setzen. Seine Suche nach geeigneten Mitspielern führt uns durch den Dschungel der Möglichkeiten schauspielerischen Broterwerbs. Den einen findet er in einem Synchronisationsstudio für Pornofilme, den anderen beim Besprechen eines wissenschaftlichen Films über die Entstehung der Erde aus dem Urknall (Achtung Bedeutung!). Die dritte Mitstreiterin lebt vom Bedienen in einer Art Mensa, die vierte vom Vorzeigen ihrer wohlgeformten Figur.

Stereotypen allesamt, und man amüsiert sich anfangs nicht schlecht über die Satire auf das Leben der Schauspieler, selbst wenn diese gelegentlich allzu plump geraten ist (wie z.B. der Werbespot „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ für das Parfum nach Kundera). Auch die Idee, den Vertreter der unkommerziellen Redlichkeit zur Jesusfigur zu stilisieren, ist voller schlauer Selbstironie.

Allzu bald jedoch muß man feststellen, daß Regisseur und Autor Denys Arcand Großes und Ernstes im Sinn hatte. Jesus und seine vier Jünger, die gefundenen Mitschauspieler, schickt er in die Satire, wie ehemals Gott Jesus auf die Erde schickte. Die Göttersöhne müssen leiden, um uns zu erlösen, allerdings nicht von unseren Leiden, im Gegenteil. Bis zum erlösenden Ende müssen wir einiges durchmachen in diesem trickreich gebastelten Passionsspiel. Arcand läßt dieses nämlich auf zwei Ebenen ablaufen. Erstens zeigt er uns ausführlich und langweilig die Theaterinszenierung der fünf heiligen Schauspieler und vor allem Jesus, dargestellt von Daniel, und parallel dazu leidet der Schauspieler Daniel seine eigene Passionsgeschichte im modernen Montreal. Er vertreibt die Schächer aus dem Tempel, hier sind es Werbeleute im Theater bei der Anhörung junger Schauspieler. Er stirbt auch am Kreuz, und es gibt sogar eine moderne Wiederauferstehung: seine Organe werden gespendet, so kann er in anderen Menschen weiterleben.

Gunter Göckenjan

Denys Arcand: Jesus von Montreal, mit Lothaire Bluteau, Catherine Wilkening, Johanne-Marie Tremblay, Kanada/ Frankreich 1989, 110 Minuten

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