French Open in Paris: Das große Fremdfrieren

Beim Grand Slam in Paris ist es so kalt, dass manch Tennis-Star Angst hat zu erfrieren. Auch den Fans wird beim Corona-Sport nicht warm ums Herz.

Tennisspielerin Azaranka in bunter Traingsjacke beim Ballwurd vor dem Aufschlag

Herbstmode in Paris: Viktoria Azarenka in Trainingsjacke Foto: Christian Hartmann/reuters

Der Sport liefert in diesen Pandemiezeiten nicht immer die schönsten Bilder. An leere Tribünen in der Fußballbundesliga hat man sich so sehr gewöhnt, dass die zu 20 Prozent gefüllten Arenen, wie man sie am Wochenende gesehen hat, beinahe schon stimmungsvoll wirken. Das Quietschen der Schuhe auf dem Parkett in der Basketball Bubble der NBA in Orlando war für viele Sportfans das Geräusch des Spätsommers.

Echte Playoff-Stimmung werden dennoch alle TV-Sportfreund:innen vermissen, die schon einmal ein Entscheidungsspiel um den Finaleinzug via TV verfolgt haben. Besonders traurig waren nun aber die ersten Bilder, die von den vom Frühling in den Herbst verschobenen French Open in Paris um die Welt geschickt worden sind.

Wer nicht zu frieren beginnt bei den Übertragungen von den Plätzen in Paris, kann eigentlich kein Temperaturempfinden haben. Ohne mindestens dreiviertellange Leggins betritt kaum eine Spielerin den Platz. Manche lässt ihre Trainigsjacke das ganze Spiel über an, und weil es bisweilen nieselt, glaubt man auch am heimischen Empfangsgerät zu spüren, wie die Feuchtigkeit bis auf die Haut durchdringt. Als es am Sonntagnachmittag dann auch noch zu nieseln begann, hatte die belarussische Tennisspielerin Viktoria Azarenka die Schnauze voll.

Unter einem Regenschirm sitzend bellte sie die Schiedsrichterin an und forderte die Unterbrechung des Spiels. Die meinte, sie solle noch ein wenig warten, was die Finalistin der US Open von vor zwei Wochen erst so richtig auf die Palme gebracht hat. „Wenn ich hier sitzen bleibe, erfriere ich“, sagte sie. Und: „Es sind 8 Grad. Ich lebe in Florida. Ich bin warmes Wetter gewöhnt.“ Die Ärmste! Da mögen die Schiedsrichterinnen gedacht haben, für jemanden, der in Floirida lebt, muss es ja besonders schlimm sein hier, und entließen die Starspielerin in eine Regenpause.

Heiteres Outfit

Nach dieser spielte sie wieder in langärmliger Trainingsjacke. Die immerhin war ein heiteres Moment in diesem traurigen Spiel, das nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ganze neun Zuschauer live auf dem Platz verfolgt haben. Das rosa-rot-blau-gelb-weiße Teil würde sich jedenfalls in jeder Kommödie, in der man über die 80er Jahre im Ruhrgebiet lachen soll, überaus gut machen. Mit ihrer Gegnerin hatte Azarenka übrigens weit weniger Probleme als mit dem Wetter. Sie fertigte die Montenegrinerin Danka Kovinić mit 6:1, 6:2 ab.

Natürlich gibt es auch sportliche Diskussionen rund das feuchtkalte Ambiente dieses Grand-Slam-Turniers. Die Bälle würden ganz langsam, man bekomme kein Tempo ins Spiel. Der 12-fache French-Open-Sieger Rafael Nadal meinte: „Der Ball ist superlangsam und -schwer.“ Auch dass mit einem anderen Ball gespielt wird als bisher, weil ein anderer Ballhersteller das Ballsponsoring übernommen hat, kritisierte der Spanier. Sie haben es wirklich schwer, die Profis. Das Mitgefühl ist ihnen gewiss.

Nur an die Balljungen und -mädchen dachte niemand bei all der Jammerei über die Kälte. Die müssen mit kurzärmligen T-Shirts und in kurzen Hosen am Rande des Platzes warten, bis die Ballwechsel zu Ende gehen. Wer das im Fernsehen sieht, geht erst einmal zur Heizung und dreht ein wenig auf. Coronasport kann ziemlich kalt sein.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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