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Folter bei ägyptischer „Stasi“

Kairo (dpa) — Die US-amerikanische Menschrechtsorganisation „Middle East Watch“ hat „systematische Folter“ von Untersuchungsgefangenen in den Zentralen der ägyptischen Staatssicherheit beklagt. Bei der Vorstellung eines Berichts über „Folter und Verhaftungen in Ägypten“ forderte die Organisation am Montag die US-Regierung und die EG auf, gemäß ihren Gesetzen und politischen Leitlinien Kairo mit der Einstellung der Wirtschafts- und Militärhilfe für den Fall zu drohen, daß die Folter nicht aufhöre. Der Bericht, der sich auf zahlreiche Interviews mit Gefangenen stützt, kommt zu dem Schluß, daß es sich um keine Einzelfälle handelt, in denen Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdienstes gezielt folterten. Die gleichen Foltermethoden — wie Verbinden der Augen, stundenlanges Stehen und Elektroschocks — im ganzen Land deuteten daraufhin, daß die Dienststellen entsprechende Instruktionen erhalten hätten. Die meisten der Interviewten seien Gefangene gewesen, die als islamische Extremisten verdächtigt worden seien.

Die Verantwortlichen sind dem Bericht zufolge meist nicht festzustellen, da Festgenommenen Kontakt mit Anwälten oder Verwandten untersagt würde und ihre Namen häufig nicht in offizielle Listen eingetragen würden. Middle East Watch kritisierte heftig, daß die ägyptische Regierung, die seit Jahren die Existenz von Folter abstreitet, die Augen vor dem Problem einfach verschließe.

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