Filmproduktion: Zwei Jahre in Zeitlupe

Heute kommt mit "Die Konferenz der Tiere" der erste deutsche Animationsfilm in 3-D in die Kinos. Produziert hat den Film die hannoversche Firma Ambient Entertainment ausschließlich am Computer.

Tüftler unter sich: Zwei Mitarbeiter der Firma Ambient Entertainment hinter einer Tonfigur aus "Back to Gaya". Bild: dpa

Im geräumigen Flur sind schwarze Geräte zu einem Turm gestapelt. Sie blinken alle in einem unterschiedlichen blau. Es ist die Pforte zu der elektronisch-digitalen Welt, die sich hinter den Bürotüren befindet: Die Firma Ambient Entertainment produziert in Hannover Filme ausschließlich am Computer. Fans und Fachleute sprechen von Computer generated Imagery (CGI).

Nach dem ersten deutschen CGI-Film vor sechs Jahren hat Ambient Entertainment nun nachgelegt: Heute startet in den Kinos "Konferenz der Tiere", der erste 3-D-Animationsfilm aus deutscher Produktion.

Alle Bilder stammen dabei aus Hannover. Der Inhalt ist vom gleichnamigen Werk von Erich Kästner inspiriert. Es handele sich um klassische Familienunterhaltung, sagt Drehbuchautor und Co-Regisseur Reinhard Klooss. "Und das im doppelten Sinn des Wortes: die Familie der Tiere, die kleine Familie der Erdmännchen und die große der Savannengemeinschaft, unterhält sich, kommuniziert - und löst so vermeintlich unlösbare Probleme."

Die Arbeitsräume der hannoverschen Firma erstrecken sich über drei Etagen. Meist befinden sich auf den schwarzen Schreibtischen zwei nebeneinander stehende Flachbildschirme. Die Wände sind weiß und der Fußboden ist anthrazitschwarz. Das Farbigste hier sind die Bildschirminhalte und die Großformatdrucke mit Geschöpfen aus den Filmen an den Wänden. Und natürlich die Menschen.

Die überwiegend männlichen Animationsspezialisten tüfteln per Maus und Tastatur an einzelnen virtuellen Details der Produktion. Geschäftsführer und Co-Regisseur Holger Tappe hat auf 360-Grad-Fotos die afrikanische Savanne und ihr typisches Licht festgehalten. Die Aufnahmen dienen als reale Vorlage für die künstlichen Landschaften. Dann kommen am Computer gezeichnete Büsche und Bäume hinzu. Hügel im Vordergrund werden eingefügt - je nachdem, was die jeweilige Szene verlangt.

An anderer Stelle geht es um Wasser. Die Experten lassen es wie echtes Wasser fließen, spiegeln und spritzen. Für eine Szene, in der die Hauptfigur, das Erdmännchen Billy, durch einen Schwall Wasser aus einem Staudamm herumgewirbelt wird, braucht es schon mal zwei Tage.

"Es geht bei uns nicht wie am richtigen Set zu. Es läuft alles in Wahnsinns-Zeitlupe", sagt Tappe. Alles geschieht an einem virtuellen Set - also "hinter" dem Monitor. Die Bildproduktion von "Konferenz der Tiere" hat etwa zwei Jahre gedauert, das Aufnehmen auf zwei Kanälen für die stereoskopische Projektion im Kino dann noch mal ein halbes Jahr.

Seit seinem Erstling "Back to Gaya" und den Filmen "Urmel aus dem Eis" und "Urmel voll in Fahrt" hat das hannoversche Unternehmen Wissen und Erfahrung gesammelt - ebenso wie technische Ausstattung, die jetzt 3-D-tauglich sein musste. Anders als bei der US-Produktion "Avatar", in der mittels Sensoren die gesamte Mimik von echten Schauspielern auf animierte Figuren übertragen wurde, erstellten die Hannoveraner ihre Szenen vollständig am Computer. Im Vergleich zu hiesigen Produktionen hält Unternehmer Tappe das amerikanische Produkt und seinen Vertrieb für so gut, "dass es eben schwierig ist, daneben überhaupt zu bestehen".

Die niedersächsische Filmfördergesellschaft Nordmedia hat die Arbeit von Ambient Entertainment von Anfang an mit Darlehen unterstützt. Diesmal hat sie 500.000 Euro für das Projekt der Constantin Film bereitgestellt. "Wir wollen Nischen, Entwicklungen dort fördern, wo es Sinn macht", sagt Jochen Coldewey, Leiter der Filmförderung der Nordmedia. Von Hannover aus könne die Nische des großen Animationsfilms gut besetzt werden, da dafür nicht diese großen Flächen benötigt würden, wie für den Realfilm in Berlin oder München. Coldewey setzt auch weiter auf 3-D, da die Qualität weiter zunehme und die Technik in Deutschland erst am Anfang stehe.

Etwa hundertfünfzig Mitarbeiter haben insgesamt an "Konferenz der Tiere" mitgewirkt. Comedians wie Ralf Schmitz, Bastian Pastewka oder Oliver Kalkhofe gaben ihre Stimmen, der Titelsong stammt von Xavier Naidoo, die Filmmusik schrieb der Ice-Age-Komponist David Newman.

In Hannover mussten durchschnittlich sechzig Mitarbeiter koordiniert werden. Holger Tappe führt sein Unternehmen längst nicht mehr allein, sondern zusammen mit zwei Partnern. Tappe hatte das Unternehmen 1999 gegründet. Inzwischen sind am Computer generierte Animationsfilme in Hannover eine feste Größe geworden. "Es kommen immer wieder Anfragen von Produzenten an die Nordmedia", sagt Coldewey, "die leiten wir dann weiter."

Ambient-Chef Tappe bleibt bodenständig. "Wenn es sich wirtschaftlich wahnsinnig lohnen würde, so etwas zu machen, hätten wir auch viel mehr Mitbewerber." So aber habe die Firma "in Europa keine Konkurrenz", wenn jemand "genau das braucht, was wir machen." Ambient Entertainment und die Nordmedia sprechen bereits über neue Projekte. Nach dem Film ist vor dem Film.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de