Festsaal Kreuzberg: „Nicht auf Teufel komm raus“

Vor einem Jahr brannte der Festsaal Kreuzberg aus. Obwohl der Bauantrag abgesegnet wurde, ist die Zukunft unsicher, sagt Mitbetreiber Björn von Swieykowski.

Vor einem Jahr brannte der Festsaal aus. Bild: dpa

taz: Herr von Swieykowski, vor einem Jahr ist der Festsaal ausgebrannt. Derzeit arbeiten Sie an der Wiedereröffnung – wie stehen die Chancen, dass es den Club am selben Ort noch mal geben wird?

Björn von Swieykowski: Grundsätzlich gar nicht so schlecht. Wir haben einen Bauantrag eingereicht, der eine vollständige Instandsetzung vorsieht. Alle zuständigen Stellen inklusive des Baustadtrats Hans Panhoff haben den Bauantrag abgesegnet. Und dennoch ist es nicht klar, ob es klappt.

Warum?

Die Verhandlungen mit dem Eigentümer um einen neuen Mietvertrag und um die Konditionen laufen derweil sehr zäh.

Am Abend des 21. Juli 2013 brannte der Festsaal Kreuzberg nahe dem Kottbusser Tor von innen vollständig aus. Grund war ein technischer Defekt.

Die Veranstaltungsgruppe des Festsaals existiert weiterhin - sie arbeitet am Wiederaufbau des Konzertorts und organisiert derzeit in anderen Clubs wie dem Astra, Bi Nuu, Lido, West Germany und dem Monarch Shows.

Zum 1. Mai 2015 ist ein Festsaal-Open-Air geplant. www.festsaal-kreuzberg.de

Zuletzt hieß es, Sie würden im Fall einer Sanierung selbst zum Eigentümer werden.

Nein, Eigentümer werden wir nicht. Es gibt derzeit Gedankenspiele seitens des Eigentümers, ob er das Grundstück selbst auch in irgendeiner Form nutzen will. In dem Stadium befinden sich gerade die Verhandlungen, vielleicht gäbe es ja auch die Möglichkeit, dass beide Parteien das Grundstück anteilig nutzen. Ganz davon abgesehen hat der Eigentümer das Dach noch nicht saniert, was unter seine Zuständigkeit fällt.

Aber wäre theoretisch nicht auch der alte Mietvertrag nach der Instandsetzung wieder gültig?

Die Mietzahlungen sind natürlich derzeit ausgesetzt. Der Mietvertrag verfällt, wenn der Eigentümer das Gebäude nicht saniert. Er ist aber gar nicht zur Außensanierung des Gebäudes verpflichtet, von daher erwägen wir so eine Möglichkeit gar nicht und versuchen uns mit ihm zu einigen.

Können Sie dem Eigentümer vermitteln, welch wichtige Institution der Festsaal war?

Wir haben gute Argumente. Und wir haben einen genehmigungsfähigen Bauantrag vorliegen. Derzeit müssten wir nur noch ein Brandschutzgutachten erstellen, das etwa 7.000 Euro kosten würde. Beim jetzigen Stand überlegt man sich natürlich gut, ob man das macht – weil man ja noch nicht davon ausgehen kann, dass die Investition sich auszahlt. Das Geld, das wir durch das Crowdfunding eingenommen haben [die Festsaal-Crew spielte nach dem Brand etwa 32.000 Euro Spenden ein, d. Red.], ist durch die Erstellung des Bauantrags und einige andere Posten weitestgehend aufgebraucht.

Für den Fall, dass Sie sich mit dem Eigentümer einigen: Wird der Festsaal dann wieder genauso aussehen wie zuvor?

Im Großen und Ganzen ja. Ein bisschen anders würde er hier und da schon gestaltet sein, aber es soll eine Galerie genauso wie vorher geben, nur nun mit einem größeren Plateau. Außerdem soll es draußen eine Terrasse geben.

Wie sähe die weitere Finanzierung aus?

Unsere größte Hoffnung wäre – neben Brauerei-Deals und Krediten – die öffentliche Förderung über Lottomittel.

Wer unterstützt Sie bei den Planungen?

Derzeit hilft uns zum Beispiel das Musicboard Berlin sehr.

Inwiefern?

Wir halten auch nach möglichen Ersatzstandorten Ausschau, und da hat uns Musicboard-Chefin Katja Lucker direkt mal mit ihren Verbindungen geholfen – so konnten wir uns zum Beispiel ein Objekt in Lichtenberg ansehen.

In irgendeiner Form wird es den Festsaal also wieder geben?

Nein, nicht auf Teufel komm raus. Unser Club lag einzigartig im Herzen von Kreuzberg, es war ein ganz besonderer Ort, wir haben von dem Nachtleben dort profitiert. Falls wir ausweichen müssen, käme für uns nur ein Ort infrage, der uns sinnvoll erscheint und gut gelegen ist. Innerhalb der kommenden zwölf Monate wird es allerdings wohl noch keinen neuen Festsaal geben.

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