Festival im Strandbad Weißensee

Was für die Ohren mit Seeblick

Eine Feier des Randständigen: etwas entfernt vom Zentrum in Weißensee, mit einer Musik abseits des Mainstreams – das By the Lake Festival.

Feiern am See

Festivalstimmung mit By the Lake in Weißensee Foto: Thomas M. Jauck

Zuletzt hatte das Strandbad Weißensee einiges an Ärger zu verkraften. In der Nachbarschaft werden fleißig neue Wohnungen gebaut, und dabei wurde das Abwasserrohr des Bads beschädigt. Ein Monat lang musste es schließen, der Betreiber befürchtete bereits, er müsse Insolvenz anmelden. Dazu kommt, dass der Wasserspiegel des Sees, der über keinen direkten Zufluss verfügt, sinkt. Unter anderem, so wird vermutet, könnte der Klimawandel dafür verantwortlich sein.

Das Strandbad hat nun jedoch wieder ganz normal geöffnet, und es kann davon ausgegangen werden, dass der Weißensee bis zum Sonntag genug Wasser hat, um sich auf diesem gemütlich auf einer Luftmatratze treiben zu lassen und nebenbei den musikalischen Darbietungen des By the Lake Festivals lauschen zu können.

Zum dritten Mal findet das Festival nun statt. Zuerst bekam man ein Zuhause auf der Freilichtbühne Weißensee, im vergangenen Jahr auf der Bühne und im Strandbad, nun ist man komplett ins Strandbad gezogen. Festivalbesuch und Badetag werden so eins.

Immer wieder anders

Immer wieder anders, das gehöre zum Konzept von By The Lake, betont Tobias von zur Gathen, der das Festival miterfunden hat und immer noch für dessen Durchführung mitverantwortlich ist. Immer wieder anders ist auch das gebotene Programm, bei dem bevorzugt Acts zusammengestellt werden, deren Mischung anderen Festivalveranstaltern sicherlich zu bunt wäre. Im vergangenen Jahr spielten beispielsweise die dänischen Softpopper Laid Back, die in den Achtzigern mal den Hit „Sunshine Reggae“ hatten, genauso wie die marokkanischen Master Musicians of Jajouka mit ihrer bewusstseinsverändernden Trance-Folklore.

An diesem Sonntag wird Janka Nabay aus Sierra Leone seine Bubu Music präsentieren, von der hier wohl kaum jemand weiß, was genau sich hinter dieser verbirgt, und auch die alte Krautrockkoryphäe Michael Rother wird auftreten. Man braucht durchaus einigermaßen offene Ohren, um mit diesem breiten musikalischen Spektrum etwas anfangen zu können.

Am Sonntag findet das By the Lake Festival in Weißensee statt, in diesem Jahr geht es in seine dritte Runde, und wieder einmal gibt es ein Programm, bei dem man musikalisch ziemlich weit herumkommt – von der hypnotischen Mbira-Musik mit Stella Chiweshe über Janka Nabay, dem König des Bubu, einer wilden Tanzmusik aus Sierra Leone, bis zu dem Krautrockpionier Michael Rother.

Das Programm im Strandbad Weißensee, Berliner Allee 155, startet um 16 Uhr, Einlass ist um 14.30 Uhr. Eintritt 35 Euro.

Darum aber soll es genau gehen, erklärt Tobias von zur Gathen, darum, ein Publikum anzusprechen, das sich traut, mal raus nach Weißensee zu fahren und „musikalische Überraschungen zu schätzen weiß“.

Kuratiert in Dänemark

Für die Musikauswahl beim By The Lake zuständig ist die Band Efterklang, die eine Weile in Berlin residierte, hier ihr Studio hatte, nun aber wieder zurück in Dänemark ist. Schon für das erste Festival wurde Efterklang die Musikauswahl überlassen, und das ist immer noch so, auch wenn das Kuratieren des Programms nun von Dänemark aus läuft. Zum Festival aber kommen die Musiker, deren Band gerade inaktiv ist, geschlossen nach Berlin. Zur Aftershow-Party werden sie im Kaffee Burger auflegen.

Zur Besonderheit einer Veranstaltung wie By The Lake, glaubt von zur Gathen, gehöre unbedingt auch ein besonderer Ort. Weißensee sei deswegen perfekt, „der Stadtteil liegt etwas außerhalb und passt damit gut zu unseren etwas randständigeren Acts“. Anfangs habe es noch etwas Überzeugungsarbeit gebraucht, um direkt am See, wo es eigentlich ruhig und beschaulich zugehen soll, ein Musikfestival zu organisieren. „Doch inzwischen ist die Stimmung uns gegenüber sehr positiv.“

Damit das auch so bleibt, habe er eben erst persönlich in der Nachbarschaft zum Strandbad Weißensee Zettel in den Briefkästen verteilt mit Informationen und dem Angebot, verbilligte Festivaltickets erstehen zu können. Wie bei einer WG-Party läuft das, von der man die Hausgemeinschaft ebenfalls unterrichtet und im besten Fall sagt: Schau doch einfach mal vorbei.

Gleich beim ersten By The Lake kamen um die 1.000 Besucher, bei der zweitägigen zweiten Ausgabe des Festivals insgesamt 1.800, und für dieses Jahr erwartet von zur Gathen um die 700 bis 800. Nicht mehr? Wird kein Wachstum angestrebt, so wie das eigentlich jedes Festival im Sinn hat. Von zur Gathen winkt energisch ab, By The Lake sei für ihn lediglich ein Hobby, wenngleich ein zeit- und kostenintensives. „Niemand verdient bei uns im Festivalteam Geld. Wir sind alle tätig in der Musikbranche, dort haben wir unsere eigentlichen Jobs. Beim By The Lake wollen wir einfach mal, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, das machen, worauf wir wirklich Lust haben.“ Und danach, ein zweites Lollapalooza für Berlin zu werden, scheint den By-The-Lake-Machern wohl nicht der Sinn zu stehen.

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