: Fehlende Loyalität seitens der Gesellschaft
■ betr.: "Auf der Suche nach dem Gemeinwohl", taz vom 10.6.93
betr.: „Auf der Suche nach dem Gemeinwohl“, taz vom 10.6.93
Tissy Bruns meint, daß wir, bevor wir über die Jagd der Regierung auf Sozialhilfemißbrauch meckern, erkennen müssen, daß das Problem da sei, und daß jeder bei sich selbst anzufangen habe. Ich bin mit ihr ganz einig.
Das Problem ist nur, daß wenn diejenigen, die Sozialhilfe bekommen, versuchen würden, bei sich selber anzufangen, um ein Leben ohne staatliche Almosen zu leben, sie würden ganz schnell feststellen, daß der gleiche Staat dafür gesorgt hat, daß sie selber eben nicht ihre Lage ändern können. Ganz banal: es gibt zum Beispiel nicht die notwendigen Arbeitsplätze um sich von den Almosen zu befreien. Wenn denn bei den SozialhilfeempfängerInnen einige zu finden wären, die diese horrende Sabotage an ihren Möglichkeiten selber was zu tun mit Betrug gegenüber dem Staat beantworten würden, nach welcher Moral wäre das eigentlich so verwerflich? Ihnen wird vom Staat genau die Möglichkeit für Erfolg verwehrt. Wenn Tissy Bruns von den SozialhilfeempfängerInnen Loyalität zur Gesellschaft fordert, ist das eine ganz einseitige Vorstellung, eben weil sie von der Gesellschaft her nicht geleistet wird. [...] Morten Meisner, Lübeck
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