Fach-Messe in Nürnberg: Bioboom mit Folgen

Die Branche verzeichnet Umsatzzuwächse von 15 Prozent - bleibt aber selbstkritisch. Größtes Problem des rasanten Wachstums: die steigende Importquote.

Bioäpfel kommen immer seltener aus Deutschland. Bild: dpa

NÜRNBERG taz Bioprodukte von großen und kleinen Herstellern und aus allen Ländern der Welt: So präsentiert sich seit Donnerstag die BioFach-Messe in Nürnberg. Doch in die euphorische Stimmung der Branche mischt sich auch die Sorge vor der weiteren Entwicklung. Angesichts des Vormarschs konventioneller Anbieter auf dem Biomarkt stellte Gerald Herrmann, Präsident des internationalen Dachverbands Ifoam (International Federation of Organic Acriculture Movements), selbstkritisch die Frage: "Haben wir unsere Wurzeln verloren?"

Jahr für Jahr hat der Biomarkt neue Erfolge zu vermelden: Auch 2007 stiegen die Umsätze wieder um mehr als 15 Prozent. Die Branche tue gut daran, ihre ursprünglichen Ziele von Ethik und Verantwortung nicht aus dem Blick zu verlieren, warnte Herrmann. "Um das Wachstum zu halten, müssen wir an mehr denken als nur ans Geschäft."

Ein zentrales Problem der Branche ist, dass die wachsende Nachfrage nach Bio-Rohstoffen zunehmend durch Importe gedeckt werden muss. Denn mit knapp 6 Prozent ist die Zahl der Bioflächen in Deutschland 2007 zwar auch stärker gewachsen als im Vorjahr, aber nicht so schnell wie die Umsätze, berichtete der Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW). Auch Produkte, die gut im eigenen Land erzeugt werden könnten, kommen darum aus dem Ausland. Die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) schätzt die Importquote etwa für Bioeier auf 30 bis 40 Prozent, für Mohrrüben auf knapp 50 Prozent.

Die wachsenden Bioimporte bedeuteten auch neue Herausforderungen für die Überwachung der Standards, räumte Herrmann ein. Um glaubwürdig und attraktiv zu bleiben, müsse man offen über Schwächen reden und die Sorge vor Betrug mit Biowaren ernst nehmen.

Auch BÖLW-Präsident Felix Prinz zu Löwenstein warnte, die oft weiten Transportwege seien nicht nur ökologisch fragwürdig, sondern machten auch "die Sicherheit schwerer nachvollziehbar". Um Landwirten den Umstieg auf Ökoanbau zu erleichtern, forderte der BÖLW die Bundesländer auf, dem Beispiel Bayerns zu folgen und die 2006 abgesenkten Umstellungsprämien wieder aufzustocken. Diese helfen Landwirten, die zwei Jahre zu überbrücken, in denen der Betrieb ökologisch produziert, die Produkte aber noch nicht als Bioware vermarkten darf.

Deutliche Kritik gab es bei der Eröffnung der mit 2.740 Ausstellern weltgrößten Biomesse an Agrarminister Horst Seehofer (CSU). Der hatte es vorgezogen, zum gleichzeitig stattfindenden Starkbieranstich auf dem Müchener Nockherberg zu fahren. "Dass Horst Seehofer die Einladung zur BioFach schon zum dritten Mal ausgeschlagen hat, ist eine verpasste Chance - für ihn und für die deutsche Politik", sagte Löwenstein. Ifoam-Chef Herrmann erklärte, Seehofers Anwesenheit hätte ein Signal für die deutschen Landwirte sein können, schneller auf ökologischen Landbau umzustellen. "Die Rahmenbedingungen müssen gestaltet werden. Aber man gestaltet sie nicht mit Abwesenheit." MALTE KREUTZFELDT

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