: Ex-New-Wave-Lady
■ Hazel O'Connor bot im Aladin solide Popmusik ohne den rechten Biß
So ganz koscher war die Sache nicht: Alle PR Fotos und Plakate für das Konzert der ehemaligen New Wave Sängerin Hazel O'Connor waren entweder schon einige Jahre alt oder sehr geschickt retouchiert. Und deshalb war der Anblick dieser etwas fülligen Lady, der man ihr Alter deutlich ansah, etwas ernüchternd. Ganz in Schwarz gekleidet, mit viel Schmuck behängt und einer Frisur, für die ihr in New Wave Zeiten garantiert sofort der Plattenvertrag gekündigt worden wäre, versuchte sie auch gar nicht erst, die alten, glorreichen Erfolge nostalgisch zu beschwören.
Statt dessen stellte sie ihre neuen Songs mit einer neuen Band und einem neuen Plattenvertrag vor: „A new chapter in my singing career after a lot of shit“ wie sie selber von der Bühne herunter sagte.
So sehr neu war ihre Musik allerdings nicht: ein bißchen Raggae, einige Coverversionen von Popklassikern, Balladen und sogar ein irisches Volkslied wurden von der Band (mit Hippietouch durch eine ätherische Vokalistin mit Henna im Haar und Pumphosen) durchweg kompetend aber auch etwas farblos gespielt. Es schien, als wolle Hazel O'Connor es zu vielen Leuten recht machen.
Ein „women's song“ war darunter, in dem die Männer aufgefordert wurden, sich doch gefälligst zu ändern, einige schöne Popkompositionen wie „Time after Time“ oder „To be freed“, die durchaus Chancen haben, demnächst in den Charts aufzutauchen, und natürlich einige ihrer alten Erfolgstitel.
Am überzeugensten war die Sängerin mit der dunklen, oft aggressiv brüchigen Stimme bei den leidenschaftlichen Balladen. Mit ihrem statement „That's what I'm good at“ traf sie den Nagel auf den Kopf: In den anderen Musikstilen gibt es viele, die mindestens genausogut klingen — wenn Hazel O'Connor tatsächlich nochmal in ihrem Metier nach oben kommt, dann nur, wenn sie sich auf diese „struggling Songs“ konzentriert.
Willy Taub
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