: Europäisches Profil
■ EU-Staaten debattieren über eigene Sicherheitspoltik. Blairs Initiative bleibt unklar
Rom (AFP) – Die europäischen Staaten wollen ihre Zusammenarbeit bei der Verteidigungs- und Rüstungspolitik intensivieren. Beim Ratstreffen der Westeuropäischen Union (WEU) in Rom forderte Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne), die WEU als einziges rein europäisches Verteidigungsbündnis in die EU zu integrieren. Der Vertrag von Amsterdam habe diese Perspektive offengehalten. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sagte, die Europäer hätten keine Zeit zu verlieren und müßten das „Instrument WEU“ stärken. Der Balkan zeige, daß die Europäer ihre Schwächen überwinden müßten, statt die Führung der USA zu beklagen. Fischer betonte, daß der „amerikanische Beitrag zur Sicherheit Europas unverzichtbar bleibe“.
Ausgelöst hatte die neue Debatte um die europäische Sicherheitspolitik der britische Premierminister Tony Blair. Blair war aufgrund der Erfahrungen im Kosovo-Konflikt vom traditionellen britischen Standpunkt abgerückt, wonach die EU grundsätzlich keine eigenen Kompetenzen in der Sicherheitspolitik haben sollte. WEU-Diplomaten befürchteten indessen, daß Großbritannien auf die Abschaffung der WEU ziele, weil Blair den europäischen Pfeiler in der Nato stärken wolle. Der britische Außenminister Robin Cook ließ die Absichten seiner Regierung im dunkeln. Italiens Außenminister Lamberto Dini betonte das „Monopol“ der Nato bei der Wahrung europäischer Sicherheitsinteressen. Dennoch sollten die Europäer die Idee einer „autonomen Rolle“ nicht aufgeben.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen