Europäische Truppen unter Beschuss: Rebellen rücken im Tschad vor

Die Rebellen im Tschad dringen weiter in Richtung der Hauptstadt NDjamena vor. Europäische Soldaten der Eufor geraten ins Kreuzfeuer.

Rebellen im Chad nahe der Stadt Gos Beida. Bild: rtr

NAIROBI taz Bei einer neuen Offensive gegen Tschads Präsident Idriss Déby sind Rebellen aus dem Osten des Landes weiter an die Hauptstadt NDjamena herangerückt. "Wir haben Am-Dam eingenommen", gab ein Sprecher der "Nationalen Allianz" am Montag bekannt. Die Siedlung Am-Dam liegt allerdings noch tief im weitläufigen Osten des Tschads, über den die Regierungsarmee kaum Kontrolle ausübt. Doch die Rebellen sind zuversichtlich, ihren Erfolg von Anfang Februar zu wiederholen und ins 600 Kilometer entfernte NDjamena vorzustoßen. "Unser Ziel ist die Hauptstadt und der Sturz des Diktators Déby", gibt sich Rebellenchef Mahamat Nouri selbstbewusst.

Doch der Vorstoß durch die Wüste dürfte den Rebellen nicht so leicht fallen. Erstmals verschanzen Débys Truppen sich nicht in der Hauptstadt, sondern entsandten am Montag schwer bewaffnete Truppen in Richtung Osten. Bewohner in NDjamena berichten, Mirage-Kampfjets der dort stationierten französischen Armee seien ständig in der Luft. In der Vergangenheit hat Frankreich die Unterstützung der Regierung stets bestritten.

Auch die Rebellen scheinen besser gerüstet. Am Samstag lieferten sie sich in Goz Beïda, 70 Kilometer von der Grenze zu Darfur entfernt, heftige Gefechte mit der tschadischen Armee und schossen mindestens einen Kampfhubschrauber ab. Erstmals geriet dabei die europäische Eingreiftruppe Eufor ins Kreuzfeuer. "Wir wissen nicht, wer geschossen hat", so der Sprecher des irischen Kontingents, Gavin Young. "Es ist kein irischer Soldat verletzt worden, alle unsere Fahrzeuge sind unbeschädigt." Das Feuer von Maschinengewehren und schwerer Artillerie hallte stundenlang durch die Halbwüste. Die Rebellen plünderten Basen von Hilfsorganisationen wie der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), deren Treibstofflager getroffen wurden. Die GTZ versorgt die 15.000 Darfur-Flüchtlinge, die rund um Goz Beïda in Lagern verteilt sind.

Zahlreiche Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen flohen am Montag noch im Morgengrauen aus Angst vor einem bevorstehenden Rebellenangriff auf NDjamena ins benachbarte Kamerun. Der jüngste Stellvertreterkrieg zwischen Tschad und Sudan, der die Rebellen ausrüstet und unterstützt, könnte nach Ansicht vieler Beobachter der bislang heftigste werden. Die sudanesische Regierung scheint zu allem bereit, nachdem ihrerseits vom Tschad unterstützte Rebellen Anfang Mai bis in die unmittelbare Nachbarschaft von Khartum vorgedrungen waren. Einzig die einsetzende Regenzeit, die die Wüste unpassierbar macht, könnte den Rebellen einen Strich durch die Rechnung machen.

MARC ENGELHARDT

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de