: Es darf gekauft werden
■ Deutschlands größte Familienmesse hat ihre Tore geöffnet
hat ihre Tore geöffnet
Der Eintritt in Deutschlands größtes Kaufhaus kostet zehn Mark, dennoch haben sich seit Freitag schon 60000 Kauffreudige durch die Messe „Du und Deine Welt“ geschoben. Bis in die letzte Ecke ausgebucht sind 62500 Quadratmeter Messehallen. Ein gigantischer Konsumtempel, in dem es gilt, dem Angriff auf die Sinne standzuhalten - um nicht im Rausch aus Versehen ein Drehbettsofa oder eine Fußmatte zu kaufen.
Ins Schlemmerparadies in Halle 9 kommt nur hinein, wer eine Tasse Brühe bei der resoluten Suppen- Vertreterin probiert hat. Aber die duftende, heiße Flüssigkeit ist fast das einzige Lebensmittel, das es auf der Familienmesse gratis gibt. Lang ist es her, daß man sich nur fürs Eintrittsgeld durch die kulinarischen Genüsse futtern konnte. Ein Kirschjoghurt kostet fünf Mark und die Fischbrötchen sind teurer als an den Landungsbrücken.
„Du und Deine Welt“ überflutet Otto, den unbekannten Normalverbraucher, mit Waren und Informationen von Hunde- und Katzenhotels über Militärfahrzeuge, Fußpflege, Atomenergie, Bügelpressen bis zur Schuppenflechte.
Messebesuchern, die dem Konsumterror nicht widerstehen können, erläutern Stadtreinigung und Nutzmüll e.V. in Halle 8, wie sie das Gekaufte umweltfreundlich wieder loswerden. Unter dem Motto „Du und Deine Umwelt“ ist sparen angesagt; nicht einfach bei dem großen Überangebot rundum.
Weniger konsumorientiert geht es auch beim Landesfrauenrat in Halle 4 zu, wo mehr als 100 Frauenorganisationen täglich Veranstaltungen anbieten. Heute vormittag berichten Hamburger Tagesmütter und -väter über Kinderbetreuung hier und in anderen europäischen Ländern, am Freitag soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Modell Frankreich diskutiert werden. Vera Stadie
„Du und Deine Welt“ bis zum 6. September täglich von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag bis 20 Uhr.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen