Erinnerung an NS-Opfer: Protest gegen Plan für Polendenkmal

Ein Denkmal soll in Berlin an polnische Opfer von NS-Verbrechen erinnern. Opferverbände kritisieren, dass sie bei der Konzeption außen vor bleiben.

Einweihung einer Gedenktafel für die polnischen BefreierInnen von Berlin.

Einweihung einer Gedenktafel für die polnischen BefreierInnen von Berlin vor der TU Foto: Florian Boillot

BERLIN taz | Ende November hat der Bundestag beschlossen, dass in Berlin an prominenter Stelle das Polen-Denkmal gebaut wird. Es soll „den polnischen Opfern des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Besatzung Polens gewidmet“ sein. Die Planung ist noch in einem frühen Stadium. Klar ist, dass nicht nur ein steinernes Denkmal, sondern auch ein Gedenkort für Bildung und zivilgesellschaftlichen Austausch entstehen soll.

Das Polen-Denkmal hat einen etwas anderen Charakter als andere NS-Erinnerungsstätten. Von deutscher Seite ist es auch ein Versuch, die Beziehungen zu Polen und der PiS-Regierung zu verbessern. Es ist kein Zufall, dass nicht die Gedenkstättenkonzeption des Bundes die Federführung bei dem Projekt hat, sondern das Auswärtige Amt.

Das Denkmal soll den „besonderen Charakter der deutsch-polnischen Geschichte und der deutsch-polnischen Freundschaft in Europa“ zeigen. Kurzum: Dieser Gedenkort ist, mehr als andere NS-Erinnerungsstätten, eine Staatsaffäre und ein Instrument bundesdeutscher Außenpolitik.

Auch deshalb regt sich Unbehagen bei zivilgesellschaftlichen Organisation in Polen. „Überlebende der NS-Verfolgung, ehemalige Häftlinge deutscher Konzentrationslager und NS-Gefängnisse sowie Kombattantinnen und Kombattanten der NS-Widerstandsbewegungen“ wurden „nicht zur Mitarbeit“ eingeladen. Diese Kritik formulieren Vertreter von vier polnischer Opferverbänden, darunter Stanisław Zalewski, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Roman Kwiatkowski, der Präsident des Verbandes der Roma in Polen und Kamil Majchrzak vom Internationalen Komitee Buchenwald-Dora.

Planung hinter verschlossenen Türen

Ihren Protest haben sie an Außenminister Heiko Maas und Kulturstaatsministerin Monika Grütters adressiert. Der Brief wurde am Montag publiziert. Der Termin ist bewusst gewählt. Am Donnerstag ist Bundespräsident Steinmeier in Warschau. Zu den Unterzeichnern des Protestbriefes gehört auch Marian Kalwary, jüdischer Holocaustüberlebender und Vorsitzender des Verbandes „Jüdische Kombattantinnen und Kombattanten und Geschädigte des Zweiten Weltkrieges“.

„Die Bildung von Erinnerungs-Institutionen sollte die diversen Erfahrungen und Perspektiven der Überlebenden und ihrer Verbände berücksichtigen“ heißt es in dem Brief. Er ist auch an Grütters adressiert, weil die Ministerin für das parallel zum Polen-Denkmal geplante Dokumentationszentrum verantwortlich ist, das an deutsche Gewaltherrschaft in Europa – und vor allem im Osten – erinnern soll. Mit der Planung des Dokumentationszentrums ist konkret die Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM) befasst.

Das DHM, so Kamil Majchrzak zur taz, habe nun auf den Protest der polnischen Verbände reagiert und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Das Auswärtige Amt habe indes noch nicht geantwortet. Chef der Expertenkommission ist dort Rolf Nikel, Ex-Botschafter in Warschau.

Es dränge sich der Eindruck auf, so Majchr­zak, dass die Planung des Polendenkmals „klandestin“ verlaufen solle. Damit drohe das Polen-Denkmal eine vertane Chance zu werden. „So funktioniert Erinnerungsarbeit nicht. Denn die braucht die Zivilgesellschaft“. Das Polen-Denkmal werde hinter verschlossen Türen geplant. Dieser Prozess sei, so Majchrzak, „nicht transparent und nicht aufrichtig“.

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