Erfolg für US-Behörden: Riesen-Spam-Ring aufgeflogen

Die US-Behörde FTC hat die wohl bedeutendste Müllmail-Organisation der Welt abgeschaltet. Deutsche Nutzer leiden unterdessen unter speziell an sie angepasstem Spam.

Laut Statistik sind inzwischen 90 Prozent aller Emails Spam. Bild: ap

Die amerikanische Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) hat einen Ring von Müllmail-Versendern ausgehoben, den sie selbst als "größte Spam-Operation der Welt" bezeichnet. Das Netzwerk soll Stützpunkte in zahlreichen Ländern von Neuseeland über China bis hin zu den Vereinigten Staaten gehabt und in den letzten Jahren Milliarden unerwünschter Werbebotschaften verschickt haben. Vor allem Medizinprodukte hätten die Spammer versucht, an Mann und Frau zu bringen, darunter Rezeptpflichtiges wie Xanax oder Viagra, aber auch wirkungslose Diätpillen und Potenzmittel.

Zuvor hatte die FTC mehrere Millionen Beschwerden zu dem Netzwerk und den angeschlossenen Internet-Angeboten erhalten. Diese seien äußerst professionell aufgemacht gewesen und orientierten sich dabei an regulären Online-Shops. "Vor einigen Jahren konnte man betrügerische Angebote noch an ihrem schlechten Look erkennen und daran, dass sie viele Schreibfehler hatten. Heute ist das nicht mehr so", sagte Steve Baker, ein regionaler FTC-Direktor. Zum Kampf gegen die Spam-Truppe setzte die Handelsaufsicht auf die aktuelle US-Gesetzgebung, die teilweise harsche Geldstrafen oder gar Gefängnis für gefälschte Werbemails vorsieht. Noch ist allerdings unklar, ob die Hintermänner wirklich bestraft werden können; sie sollen in den USA und in Neuseeland sitzen. Ein US-Gericht fror die greifbaren Konten des Spam-Ringes ein und verbot ihm, weiter Geschäfte zu machen.

Bei den Recherchen gaben sich Beamte der FTC gegenüber den Müllmailversendern als legitime Kundschaft aus und kauften auch einige der Produkte. So konnten Verkaufswege aufgedeckt werden. Dabei ergab sich zumeist betrügerische Ware. FTC-Mann Baker appellierte an Internet-Nutzer, niemals auf per Spam beworbene Internet-Angebote zu gehen. "Man sollte sich wirklich die Frage stellen, ob man ihnen vertrauen kann", sagte er. Der Spam-Ring agierte vollständig internationalisiert. Websites lagen auf teilweise gehackten Servern in China, Kreditkartenabwicklungen sollen laut FTC über Zypern und Georgien gelaufen sein. Produkte wurden schließlich aus einem Versandzentrum in Indien verschickt. Die Anbieter bezeichneten sich häufig als "kanadische Apotheke", weil die Medikamentenpreise in dem Land niedriger sind als in den USA.

Der Spam selbst soll vor allem über infizierte Rechner unbedarfter Nutzer verschickt worden sein. Über solche Botnetze konnten Milliarden Müllmails verschickt werden, laut FTC lag die Höchstgrenze bei über 100.000 Stück pro Sekunde. Bis zu 35.000 Maschinen sollen die Spammer zwischenzeitlich übernommen haben. Betroffene hatten dadurch auch Ärger mit ihren Internet-Zugangsanbietern, die befallene Rechner vom Netz trennten. Einer der Hintermänner des Spam-Rings soll bereits einmal verurteilt worden sein, weil er Medizinprodukte ohne Lizenz verkauft hatte. Die Strafe im einstelligen Millionen-Dollar-Bereich soll er vor drei Jahren bezahlt haben; das hinderte ihn nicht daran, sein Angebot weiter zu betreiben.

Müllmails werden zunehmend an einzelne Märkte angepasst. Spam für Medizinprodukte, Spielkasinos oder überteuerte Elektronikprodukte landet längst auch auf Deutsch in den Postfächern. Das Problem dabei: Filterprogramme lassen solche angepassten Botschaften oft leichter durch als Müllmails auf Englisch. Experten empfehlen deshalb, Software einzusetzen, die sich nach dem Prinzip der Bayesscher Statistik trainieren lässt: Hierbei reicht es aus, dem Filter einige Beispiel-Mails vorzusetzen, die eindeutig Spam waren, um ähnliche Botschaften künftig auszufiltern. Auch die Müllmails auf Deutsch stammen üblicherweise von internationalen Anbietern und stellen die gleiche Gefahr dar wie der von der FTC ausgehobene Spam-Ring. Es handelt sich oft um Betrug. Trotz der Aufklärung, die in Sachen Müllmails weitläufig betrieben wird, scheint sich das Geschäft weiterhin zu lohnen. Je nach Statistik ist davon auszugehen, dass bis zu 90 Prozent des gesamten E-Mail-Aufkommens inzwischen Spam ist.

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