Eintracht Frankfurt beurlaubt Trainer Skibbe

Christoph Daum als Heilsbringer

Eintracht Frankfurt setzt in der Schlussphase der Bundesligasaison nicht mehr auf Trainer Michael Skibbe. Ein alter Bekannter soll den drohenden Abstieg verhindern.

Servus Skibbe, willkommen Daum: Die Eintracht wechselt ihren Trainer. Bild: dapd

FRANKFURT taz | Selten haben an einem Dienstagvormittag so viele Kiebitze vor der Frankfurter Arena gestanden, um auf einem gepflegten Rasenplatz einem verbliebenen Rest von Bundesligaspielern beim Training zuzuschauen. Doch sie alle hatten Kunde von der Nachricht erhalten, die für den seit sieben Jahren von Heribert Bruchhagen mit ruhiger Hand geführten Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt einer Sensation gleichkommt: Trainer Michael Skibbe, 45, muss gehen, Christoph Daum, 57, kommt.

Letzterer aber leitete gestern noch nicht seine erste Einheit bei den notorisch verunsicherten Hessen, sondern dies tat ersatzweise Torwarttrainer Andreas Menger. Heilsbringer und Blockadenlöser Daum tritt seine Tätigkeit in der Mainmetropole erst am Mittwoch an; seinen langjährigen Assistenten Roland Koch bringt er mit. Zunächst erhält Daum in Frankfurt allerdings nur einen Vertrag bis Saisonende. "Unser Ziel ist aber, längerfristig zusammenarbeiten", so Bruchhagen, "das werden wir nach einiger Zeit in Ruhe besprechen." Offenbar wollen sich beide Parteien die Option offenhalten, sich im nicht unwahrscheinlichen Falle eines Abstiegs wieder (kostengünstig) zu trennen.

Erst am frühen Morgen hatte der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen seinen Trainer Skibbe und dann die Spieler von der neuesten Entwicklung informiert. "Wir hatten anderthalb Jahre eine sehr erfolgreiche Zeit", sagte Bruchhagen, "doch die extreme Leistungseinbuße hat uns große Sorge gemacht."

Der ehemalige Bundestrainer Skibbe durfte auf der Pressekonferenz noch eine Danksagung an Fans, Verein und Mannschaft loswerden, "tiefgründige Dinge über unsere Krise möchte ich mir aber ersparen". Skibbe werden Rat- und Tatenlosigkeit vorgehalten - für die verfahrene Situation schien er mit seinen emotionslosen Ansprachen schon länger nicht mehr der richtige Mann zu sein.

Bruchhagen hat in seiner langjährigen Manager-Tätigkeit nur einmal, 2000 bei Arminia Bielefeld, mit Hermann Gerland einen Trainer vorzeitig entlassen und das später bitter bereut. Der seit seiner vorzeitigen Beurlaubung bei Fenerbahce Istanbul im Juni 2010 arbeitslose Daum markiert nun einen Paradigmenwechsel in Bruchhagens Ägide. Der eloquente Selbstdarsteller scheint vordergründig nicht zum wertkonservativen Vereinschef zu passen. Doch Bruchhagen verbat sich den Vorwurf, "in Klischees zu denken". Seine konkrete Hoffnung an den neuen Retter aus dem Rheinland lautet: "Jeder Trainer ist anders, ich möchte hier keinen in eine Schublade stecken. Ich habe die Erwartung, dass Herr Daum die festzustellende Verunsicherung mindert." Dass ihm dies gelingt, davon ist sogar Vorgänger Skibbe überzeugt: "Christoph Daum ist ein erfahrener Fährmann, er wird das hinkriegen."

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