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Einkommen in DeutschlandKaufkraft sinkt seit drei Jahren

Zahlen des Finanzministeriums bringen es an den Tag: Obwohl die Wirtschaft brummt, können sich die Bundesbürger immer weniger leisten für ihr Geld. Der Grund sind die gestiegenen Verbraucherpreise.

Otto Normalverbraucher ist derzeit nicht gerade in Sektlaune. Bild: dpa

BERLIN/WIESBADEN ap/afp Trotz des Wirtschaftsaufschwungs können sich die Bundesbürger von ihrem Einkommen immer weniger leisten. Das Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalts sei in den vergangenen drei Jahren deutlich langsamer gestiegen als die Teuerungsrate, räumte laut Süddeutscher Zeitung die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion ein. Die Angaben beruhen auf Zahlen aus dem Finanzministerium. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch führende SPD-Vertreter hatten wiederholt betont, der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland komme auch "bei den Menschen" an.

Den Angaben zufolge hat sich der Abwärtstrend bei den preisbereinigten Nettoeinkommen zuletzt noch verstärkt: Konnte sich eine Familie mit zwei Kindern 2004 immerhin noch 0,4 Prozent mehr für ihr Geld leisten als ein Jahr zuvor, so nahm ihre Kaufkraft in den beiden Folgejahren um jeweils 1,1 Prozent und 2007 sogar um 1,3 Prozent ab. Ähnlich sieht es bei einem ledigen Arbeitnehmer ohne Kinder aus. Schuld an dieser Entwicklung dürften in erster Linie die gestiegenen Preise für Strom, Gas und Benzin, aber auch für Lebensmittel sein.

So stiegen die Verbraucherpreise im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Januar lag die Teuerungsrate auf gleicher Höhe. Der Anstieg im Februar wurde den Statistikern zufolge wesentlich von deutlich höheren Preisen für Energie geprägt. Obwohl der Anteil der Energie an den Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte weniger als zehn Prozent betrage, lasse sich damit fast ein Drittel der gesamten Teuerung erklären. Auch die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke erhöhten sich im Februar 2008 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich, nämlich um 7,4 Prozent.

Auch die Steuerlast vieler Arbeitnehmer habe sich allen Reformen zum Trotz seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 nur geringfügig verringert. So sei die Zahl derer, die auf einen Teil ihres Einkommens den Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent entrichten müssten, zwischen 1993 und 2003 von 340.000 auf gut 800. 000 gestiegen ist, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Heute komme ein Arbeitnehmer bereits dann mit dem Spitzensatz in Berührung, wenn er das Doppelte des durchschnittlichen Jahresarbeitslohns von gut 27.000 Euro erhalte.

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3 Kommentare

 / 
  • UN
    und nach2003

    "So sei die Zahl derer, die auf einen Teil ihres Einkommens den Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent entrichten müssten, zwischen

     

    1993 und 2003

     

    von 340.000 auf gut 800. 000 gestiegen ist, berichtete die Süddeutsche Zeitung."

     

    Wir schreiben das Jahr 2008; daher die Frage: wie sieht das denn in den Jahren 2004, 2005, 2006 und 2007 aus? Wäre mal interessant zu erfahren...

  • B
    billy

    Der Spitzensteuersatz greift allerdings erst ab Beträgen _über_ 54.000 Euro. Bei Verheirateten ist es gar das Doppelte. Macht also bei Herrn und Frau Zumwinkel 128.000 Euro p.a. oder sagenhafte 20.800 DM brutto pro Monat. Erst die Beträge darüber müssten mit dem Spitzensteuersatz versteuert werden.

  • EG
    Erich Günthner

    Merken die da oben es mal?

    Die gängige Reaktion der Oberen, den Kopf in den Sand zu stecken, und so tun als wäre alles in bester Ordnung, wird irgendwann mal nicht mehr gehen.

    Leider ist es dann für viele Existenzen zu spät!