: Ein neues Bild von Flüchtlingsfrauen
■ Viele haben einen Beruf und eine gute Ausbildung
Erheblich revidiert werden muß nach Ansicht der Soziologin Ulrike Hiller das „typische“ Bild der Flüchtlingsfrau. Auffallend viele Iranerinnen, eine der größten Gruppe der weiblichen Flüchtlinge, sind entgegen allen Vorurteilen sehr wohl beruflich qualifiziert oder haben einen höheren Schulabschluß. Durchschnittlich haben sie ein oder zwei Kinder.
Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die Soziologin Ulrike Hiller am Dienstag abend in der Angestelltenkammer vorstellte. 1.022 Karteien von Flüchtlingsfrauen im Alter zwischen 16 und 60 Jahren hatte sie durchstöbert. Der wichtigste Eindruck: Die Flüchtlingsfrauen bilden keine „homogene Masse“.
Erstaunlich auch, daß insgesamt 39% aller untersuchten Frauen ohne Kind auf der Flucht sind. Angesichts dieser Zahlen müsse man „vom Bild der hochschwangeren verschleierten Flüchtlingsfrau, die stets von drei bis vier Kleinkindern umringt ist, Abschied nehmen“, so Hiller.
Mit den Zahlen über Frauen aus Ghana hatte sie eine besondere Überraschung aufzutischen. Nur 19% dieser Gruppe sind verheiratet, 78% haben einen Beruf gelernt oder studiert, „zumeist Schneiderin oder Lehrerin, aber auch ganz anderes“.
In ihrer Erhebung, die Daten über Frauen aus 25 außereuropäischen Herkunftsländern ausgewertet hat, fand Ulrike Hiller auch heraus, daß sich die Zahl der nach Bremen flüchtenden Frauen im Zeitraum von 1985-1991 konstant bei etwa 200 pro Jahr gehalten hat.
Dennoch hat sich die Stimmung deutlich gewandelt, stellt die Soziologin fest: Während 1986 die „Freie Flüchtlingsstadt Bremen“ in ihrer Eigenschaft als multikulturelle Stadt noch „bundesweit ein Signal setzen“ wollte, erstickt sie heute durch Errichtung von Sammelunterkünften viel von ihrer Attraktivität. Das schlimmste sei aber, daß frauenspezifische Verfolgung, also Vergewaltigung und sexuelle Demütigung, immer noch nicht als Fluchtgründe im Asylverfahren anerkannt werden. Julia Dantes
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen