■ Der Uni-Streik geht weiter: Ein blöder Traum
Gewalt auf dem Campus! Das war das Thema beim „Spartag“ an der FU. Recht haben die Studis. Weder Polizei noch „Sicherheitsleute“ haben sich in Uni-Angelegenheiten einzumischen. Das Disziplinarrecht ist abgeschafft, und der Pedell mittelalterlicher Unis hat längst ausgedient. Die blaubehemdeten Wachschützer haben mit ihren rabiaten Methoden bei einem Uni-Streik nichts zu suchen. Der FU-Präsident Johann Gerlach soll den Scharfmacher in der Uni-Verwaltung, Kurt Zegenhagen, an die Leine nehmen.
Den Studis kam die Randale freilich zupaß. So sehr die politisch Aktiven auch lamentierten, die Rangeleien mit den Blauhemden hätten sie von der inhaltlichen Arbeit abgehalten: Für sie war es eine unverhoffte Gelegenheit, den drögen Normalstudi zum Gespräch über den Zustand der Hochschulen zu reizen. Der überwältigende Teil der Studierenden steht dem drastischen Sparkurs passiv, wenn nicht zustimmend gegenüber. Der Normalstudi träumt davon, daß die Unis kleiner werden. Das Studium könnte ein bißchen straffer sein. Einen netten, aufgeschlossenen Professor hätte man gerne, mit dem es sich im kleinen Kreise plauschen läßt. Und am Ende gäb's eine Abschlußfeier mit Urkunde und Doktorhütchen.
Ein blöder Traum. Kleine Unis wird es nicht geben – auch wenn der Strukturplan anderes verspricht. Die Nachfrage der Menschen nach Hochschulbildung und der gesellschaftliche Bedarf sind dafür viel zu groß. Und nette Professoren wird es schon gar nicht geben. Die werden im Gegenteil immer genervter, weil ihre Kollegen in Legion emeritiert werden, ohne daß Ersatz geschaffen würde. k.w. heißt das Zauberkürzel der Hochschulpolitik in Berlin: künftig wegfallend. Wer glaubt, sich dagegen nicht wehren zu müssen, dem sei ein Sprüchlein in der FU-Rostlaube ans Herz gelegt: „Wer jetzt nicht streikt – ist schon weggekürzt!“ Christian Füller
Siehe auch Seite 23
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